Union: Kompromiss mit SPD bei Mitarbeiterbeteiligung möglich

Gewerkschaftsbund plädiert für Fondslösung

Beschäftigte sollen nach Vorstellung der Union stärker an ihrem Unternehmen beteiligt werden. (AP Archiv)
Beschäftigte sollen nach Vorstellung der Union stärker an ihrem Unternehmen beteiligt werden. (AP Archiv)

Beim Thema Mitarbeiterbeteiligung sehen Vertreter der Unionsparteien gute Einigungschancen mit der SPD. Anders als der Koalitionspartner setzen CDU und CSU vornehmlich auf eine direkte Beteiligung der Mitarbeiter an der eigenen Firma.

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärte, möglich seien auch regionale oder branchenbezogene Fonds. Über die Ausgestaltung der Kapitaleinlagen sollten die Unternehmen selbst entscheiden.

Durch die direkte Beteiligung am Firmenkapital soll die Bindung an den Betrieb gestärkt und die Leistungsbereitschaft gesteigert werden. Investitionen von bis zu tausend Euro im Jahr sollen steuerlich gefördert werden.

Laumann und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) erklärten, Union und SPD hätten dasselbe Ziel: "Ich halte es für möglich, dass man hier zu einem Kompromiss kommt."

Kritik an Unions-Modell

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil kritisierte allerdings das Unions-Modell. Die Vorschläge von CDU und CSU konzentrierten sich auf die bloße Erhöhung von Grenzbeträgen bei bestehenden Förderinstrumenten, sagte Heil. Im Fall einer Insolvenz trage der Beschäftigte zudem das Risiko, neben seinem Arbeitsplatz auch seine Einlage zu verlieren.

Die Sozialdemokraten hatten am Mittwoch das Modell für einen "Deutschlandfonds" vorgestellt, der eine indirekte Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenskapital vorsieht. Der Fonds soll dabei Beiträge von Beschäftigten in die Unternehmen investieren. Erträge fließen über den Fonds an die Mitarbeiter zurück.

Damit will die SPD das Risiko eines Kapitalverlusts für die Mitarbeiter verringern. "Wenn der ‚Deutschlandfonds’ Beteiligungen beispielsweise an 1000 Firmen besitzt, bricht er nicht zusammen, wenn mal zwei insolvent sind", sagte Parteichef Beck. In den Fonds sollen keine Gehaltsbestandteile fließen, sondern Bonus- und Extrazahlungen der Firmen.

Wirtschaftsforscher Sinn fordert Mitarbeiterbeteiligungen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält Mitarbeiterbeteilungen nur dann für sinnvoll, wenn sie nicht als Lohnersatz dienen. Außerdem dürfe den Mitarbeitern kein zusätzliches Risiko aus einer Firmenbeteiligung erwachsen, sagte DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel. An diesem Punkt habe der von der SPD vorgeschlagene Deutschlandfonds Vorteile gegenüber dem Unionsmodell. (Text, MP3)

Der Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn hält Mitarbeiterbeteiligungen an Unternehmen für überfällig. Allerdings wäre es nicht sinnvoll, wenn der Staat das Geld der Arbeitnehmer verwalten würde, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts im Deutschlandfunk. "Ein Hund legt sich keinen Wurstvorrat an", sagte Sinn. (Text, MP3)

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:23 Uhr