UNO bereiten Hilfslieferungen für Syrien vor

1,5 Millionen Menschen sollen Lebensmittel erhalten

Zivilbevölkerung in Not: Lager für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge an der türkischen Grenze (AP)
Zivilbevölkerung in Not: Lager für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge an der türkischen Grenze (AP)

Es fehlt an Wasser, Brot und Medizin. Nun will die UNO mit einem 90-Tage-Hilfsprogramm die Not in Syrien lindern und eineinhalb Millionen Menschen mit Grundnahrungsmitteln versorgen. 105 Millionen Dollar stehen dafür bereit, die Vorbereitungen laufen bereits. Doch die syrische Regierung lehnt die Hilfe ab.

Schätzungen des UN-Büros zur Koordination Humanitärer Hilfe in Genf zufolge sind seit dem Beginn des Bürgerkrieges vor knapp einem Jahr rund 7500 Menschen gestorben. Tausende von Menschen sind auf der Flucht, Städte teilweise unbewohnbar. Derzeit besucht UN-Nothilfekoordinatorin Amos Syrien. Erklärtes Ziel des Besuches ist es, der Bevölkerung uneingeschränkten Zugang zu humanitärer Hilfe zu ermöglichen. Die UNO hat nun entschieden, über 100 Millionen Dollar für Notrationen u.a. von Lebensmitteln, Medikamenten und Brennstoffen zur Verfügung zu stellen.

"In Syrien gibt es keine humanitäre Krise"

Die syrische Regierung jedoch steht dem Hilfsprogramm ablehnend gegenüber. Syriens Botschafter bei der UN, Faysal Khabbaz Hamoui, sagte in Genf: "In Syrien gibt es keine humanitäre Krise". Im Gegenteil exportiere das Land Produkte aus Industrie und Landwirtschaft in die meisten Länder der Region. Hamoui beschuldigte die Aufständischen, die Infrastruktur des Landes, darunter Schulen und medizinische Einrichtungen, mit gezielten Angriffen zu zerstören.

Annan vor Syrien-Besuch: Einigung muss von innen kommen

Nach Ansicht des UN-Sondergesandten Kofi Annan kann eine Lösung des Syrien-Konflikte nur aus dem Land selbst kommen. Ein militärisches Eingreifen von außen wie in Libyen sei keine Option, betonte Annan nach einem Gespräch mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi in Kairo. Annan, der zum gemeinsamen Syrien-Gesandten der Liga und der Vereinten Nationen ernannt worden war, wird an diesem Samstag in Damaskus erwartet. Dort will er sich für ein Ende der Gewalt, Zugang für humanitäre Hilfe und den Beginn eines Prozesses für eine politische Lösung einsetzen.

Russland: Libyen gefährdet Frieden im Nahen Osten

Russland hat Libyen unterdessen vorgeworfen, syrische Rebellen auszubilden. Russland habe Informationen über militärische Trainingszentren für syrische Aufständische in Libyen erhalten, sagte der russische UNO-Botschafter Witali Tschurkin vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York. Danach würden die Zentren von der libyschen Regierung unterstützt. Dies sei "vollkommen inakzeptabel" und gefährde den Frieden im Nahen Osten. Libyen hatte im Oktober als eines der ersten Länder den oppositionellen Syrischen Nationalrat als rechtmäßige Vertretung des Landes anerkannt.

Regierungsmitglied zur Opposition übergelaufen

In Damaskus hat der stellvertrende Ölminister Abdo Hussameldin in einem im Internet verbreiteten Video seinen Rücktritt erklärt
und Präsident Assad scharf kritisiert. Er wolle nicht im Dienst eines "kriminellen Regimes" stehen und werde sich nun "der Revolution dieses würdevollen Volkes" anschließen. Die Echtheit des Internetvideos konnte bisher nicht überprüft werden.

UNO-Nothilfebeauftrage: Baba Amr "fast völlig zestört"

Nach Angaben der UNO-Nothilfebeauftragten Valerie Amos ist der Bezirk Baba Amr in Syriens drittgrößter Stadt Homs fast völlig zerstört. Amos hatte gestern ein Team des syrischen Roten Halbmonds in das Viertel begleitet, das die Armee nach langen Kämpfen vor einer Woche von Aufständischen zurückerobert hatte.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr