Startseite > _Archiv > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 02.11.2012

UNO prüft Kriegsverbrechen in Syrien

Rebellen sollen gefangene Soldaten erschossen haben

Syrische Soldaten in Aleppo (picture alliance / dpa / Sana)
Syrische Soldaten in Aleppo (picture alliance / dpa / Sana)

Die Vereinten Nationen prüfen ein Video aus Syrien, das offenbar die Erschießung gefangener Soldaten durch Rebellen zeigt. Das wäre laut Amnesty International ein Kriegsverbrechen. Die strategisch wichtige Region Sarakeb im Norden des Landes ist laut Berichten in der Hand von Rebellen.

Auf einem Amateurvideo soll zu sehen sein, wie Rebellen in der Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei gefangene Soldaten erschießen. Einige scheinen verwundet. Vor der Erschießung werden die Soldaten - anscheinend um die zehn - von den Rebellen geschlagen und getreten. Die Echtheit des Videos will das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte klären. Die Verifizierung solcher Aufnahmen sei schwierig, sagte UN-Sprecher Rupert Colville in Genf. "Die Vorwürfe sind, dass diese Soldaten (als Gefangene) keine Kämpfer mehr waren und deshalb sieht es an diesem Punkt sehr nach einem Kriegsverbrechen aus, einem weiteren."

Eine regimefeindliche Aktivistengruppe berichtete, die Tötung der Kriegsgefangenen sei in der nördlichen Stadt Sarakeb geschehen, in der in den vergangenen Wochen schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen tobten. Dort registrierte auch die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte schwere Kämpfe. Die Aufnahmen stimmen mit Medienberichten aus der Gegend überein.

Tötung der Soldaten verurteilt

Die in London ansässige Beobachtungsstelle verurteilte die Tötung der Soldaten. Der Leiter der Mission, Rami Abdullah-Rahman, fragte, wie die Rebellen Rechte beanspruchen können, wenn sie diese gleichzeitig selbst verletzen. Bei neuen Luftangriffen in der Region sollen heute mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen sein. Solche Berichte lassen sich nicht bestätigen; in dem Land gibt es keine unabhängigen Reporter.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur berichtete nicht über den Luftangriff. Sie meldete jedoch unter Berufung auf den Gouverneur von Idlib, die von einigen Medien verbreitete Nachricht, "Terroristen" hätten die historische Festungsanlage von Harim erobert, sei falsch. Wenige Stunden zuvor hatten die Regimegegner nach eigenen Angaben in Idlib die Kleinstadt Sarakeb eingenommen. Sie erklärten, in der Nacht zum Freitag sei der letzte Kontrollpunkt der Regierungstruppen in Sarakeb gefallen.

Kein Asyl für syrischer Flüchtlinge

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion (Deutschlandradio - Bettina Straub)Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, FDP (Deutschlandradio - Bettina Straub)Trotz aller Brutalität: Innerhalb der Europäischen Union gibt es nach den Worten von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) derzeit keine Überlegungen, syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Wenn sich die Lage an der Grenze zur Türkei weiter verschärfe, seien Gespräche darüber möglich, sagte die Ministerin in Istanbul. "Wir setzen auf Hilfe vor Ort, aber man sollte sich anderen Optionen auch nicht komplett verschließen." Eine Aufnahme syrischer Flüchtlinge könne es nur im EU-Kontext geben, betonte die Ministerin.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr