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US-Notenbank hält an Geldspritzen fest

Erwarteter Kurswechsel bleibt vorerst aus

Die US-Notenbank in Washington unterlässt den erwarteten Kurswechsel (picture alliance / dpa)
Die US-Notenbank in Washington unterlässt den erwarteten Kurswechsel (picture alliance / dpa)

Die US-Notenbank traut der anziehenden Konjunktur nicht und senkt sogar ihre Prognose. Weiterhin werden jeden Monat Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Umfang von 85 Milliarden Dollar angekauft. Marktbeobachter hatten eine Abkehr von der Politik des billigen Geldes erwartet.

Die Notenbanker um Fed-Chef Ben Bernanke entschieden, an der lockeren Geldpoltik in den USA festzuhalten. Die ökonomischen Daten "liefern noch nicht die ausreichende Bestätigung", dass die US-Volkswirtschaft und der Arbeitsmarkt über den Berg seien. Als einen Grund für die Ungewissheit wurden auch die Ausgabenkürzungen im US-Staatshaushalt und die hohe Staatsverschuldung genannt.

Den USA droht nach Einschätzung der Haushaltsbehörde des Kongresses zwischen Ende Oktober und Mitte November die Zahlungsunfähigkeit, sollte das Parlament keiner Erhöhung der Schuldenobergrenze zustimmen. Eine Zahlungsunfähigkeit der Regierung sei "eines der Risiken, über die wir nachdenken", sagte Bernanke.

Kritik an neuer Preisblase

Am Leitzins von null bis 0,25 Prozent will die Notenbank noch mindestens solange festhalten, wie die Arbeitslosenquote über 6,5 Prozent verharrt. Darunter wird die Quote nach Ansicht der Fed erst im nächsten Jahr liegen. Im August lag die Quote noch bei 7,3 Prozent. Die Notenbanker sind überwiegend der Ansicht, 2015 sei der richtige Zeitpunkt, um die Zinszügel wieder anzuziehen. Auf dem Rekordtief liegt der Leitzins seit Ende 2008, als die schwere Finanzkrise begann.

Führende Ökonomen warnen vor einer neuen Immobilienblase, die zur nächsten Finanzkrise führen könne. Diese Politik des Gelddruckens treibe die Preise für Vermögenswerte, etwa Immobilien, stark nach oben, sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, auf Deutschlandradio Kultur. "Das große Risiko ist eben, dass wenn dann am Ende die Anleihekäufe eingestellt werden, dass dann ein großer Absturz droht." Ähnlich sieht es Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. "Wenn die Preise dann fallen, in dem Moment, wo dieser Geldhahn zugedreht wird, dann stehen diese Finanzinstitutionen plötzlich mit gesunkenen Vermögenstiteln da", sagte Gern im Deutschlandfunk. "Und das ist im Prinzip eine ähnliche Situation, wie wir sie vor der großen Finanzkrise auch hatten."

Die Fed erwirbt derzeit monatlich für 85 Milliarden Dollar (rund 64 Milliarden Euro) langfristige Staatsanleihen und Immobilienpapiere, um die Konjunktur mit Niedrigzinsen anzukurbeln. Das soll die langfristigen Zinsen drücken und bei Banken das Geld locker sitzen lassen, damit etwa Unternehmen leichten Herzens auf Pump investieren können oder die Bürger mit billigen Krediten Häuser bauen. Doch auf Dauer kann das nicht gutgehen, wissen Ökonomen. Sie hatten damit gerechnet, dass die Fed die Konjunkturhilfen von 85 auf 75 Milliarden Dollar pro Monat stutzen würde.

US-Akienmärkte reagieren mit Kursgewinnen

Kritiker werfen der Notenbank vor, eine neue Preisblase - etwa am Immobilienmarkt - zu riskieren und der Inflation Vorschub zu leisten. Die Aktienmärkte in New York reagierten mit deutlichen Kursgewinnen, der Dollar verlor im Vergleich zum Euro an Wert.

Die Notenbank blickt mittlerweile pessimistischer auf die Wirtschaft als noch vor drei Monaten: Die Fed erwartet für 2014 ein Wachstum von durchschnittlich 3,0 Prozent. Im Juni hatte sie noch 3,25 Prozent veranschlagt.


Mehr zum Thema:

Nichts geändert, viel bewirkt: US-Reaktionen auf Fed-Entscheidung
Korrespondentenbericht von Silke Hasselmann im Deutschlandradio Kultur
USA steuern auf Haushaltskrise zu: FED hält an lockerem Geld fest - Korrespondentenbericht von Marcus Pindur im Deutschlandfunk

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:17 Uhr

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