USA vermelden Geständnis zum 11. September

Chalid Scheich Mohammed in Guantanamo vernommen

Von Siegfried Buschschlüter

Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001, (AP)
Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001, (AP)

Chalid Scheich Mohammed, El Kaidas mutmaßlicher Planungschef und Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, hat nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums die Verantwortung für die Anschläge übernommen. Wie aus einem Protokoll seiner Anhörung im Gefangenenlager Guantanamo hervorgeht, erklärte der 53-jährige Pakistaner, er sei von A bis Z für die Operation vom 11. September verantwortlich.

Wie das Pentagon am Mittwoch mitteilte, hat Mohammed diese Aussage vor einer US-Militärkommission gemacht. Sie prüft zurzeit den Status von 14 als besonders gefährlich eingestuften Häftlingen. Sie wurden im September letzten Jahres aus CIA-Geheimgefängnissen im Ausland nach Guantanamo gebracht.

Unter ihnen befinden sich auch Ramsi Binalshib, mutmaßlicher Mitverschwörer der Anschläge vom 11. September, sowie der Indonesier Hambali. Er soll die Bombenanschläge auf Bali im Januar 2002 organisiert haben. Anders als Chalid Scheich Mohammed hat Ramsi Binalshib jede Zusammenarbeit mit der Militärkommission verweigert.

Das Geständnis Mohammeds wurde nach Mitteilung des Pentagon von einem Angehörigen des US-Militärs verlesen, der als persönlicher Vertreter des Pakistaner auftrat. In dem schriftlichen Geständnis übernimmt der ehemalige Kaida-Planungschef die Verantwortung für insgesamt 28 Anschläge, darunter mehrere, die nur geplant, aber nicht ausgeführt wurden. Dazu zählen Attentate auf Papst Johannes Paul II. während eines Besuchs auf den Philippinen, ein Anschlag auf den pakistanischen Staatspräsidenten Pervez Musharraf sowie Attentate auf die beiden ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und Jimmy Carter. Als mitverantwortlich bezeichnete er sich auch für den Anschlag auf das World Trade Center im Jahre 1993, sowie für den Versuch, ein Flugzeug der American Airlines durch die Explosion einer Schuhbombe zum Absturz zu bringen.

Laut Protokoll seiner Aussage hatte Mohammed nach den Anschlägen vom 11. September eine zweite Angriffswelle geplant. Ziele seien mehrere Wolkenkratzer in Kalifornien, Chicago und dem Bundesstaat Washington gewesen, sowie das Empire State Building in New York. Außerdem bekannte er sich für die Planung und Finanzierung von Anschlägen verantwortlich, bei denen in der Straße von Gibraltar, der Straße von Hormus und dem Hafen von Singapur US-Kriegsschiffe und Öltanker zerstört werden sollten.

In einer längeren mündlichen Erklärung in gebrochenem Englisch verglich Mohammed Osama bin Laden mit George Washington. Er tue dasselbe wie der erste Präsident der Vereinigten Staaten. Er kämpfe nur um seine Unabhängigkeit. Er sei nicht glücklich darüber, dass bei den Anschlägen vom 11. September 2001 3000 Menschen ihr Leben verloren hätten. Es tue ihm sogar leid, aber die Toten seien die Sprache des Krieges.

Mohammeds Äußerungen sind in einer Mitschrift enthalten, die vom Pentagon im Internetveröffentlicht wurde. Die Mitschrift wurde von US-Beamten redaktionell bearbeitet. An einigen Stellen wurden seine Äußerungen geschwärzt, so zum Beispiel, als er vom Vorsitzenden des dreiköpfigen Armeetribunals gefragt wurde, ob er von der CIA gefoltert worden sei. Die Protokolle könnten aus Gründen der nationalen Sicherheit nicht unzensiert veröffentlicht werden, begründete das Verteidigungsministerium diese Maßnahme.

Die Anhörung der 14 Terrorverdächtigen, die am vergangenen Freitag begann, findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch Anwälte sind nicht zugelassen. Vertreter von Menschenrechtsorganisationen haben die Anhörungen als Scheintribunale kritisiert. So dürfen auch unter Zwang erzielte Aussagen der Gefangenen als Belastungsmaterial verwendet werden. Mit den umstrittenen Anhörungen soll geklärt werden, ob die 14 Gefangenen als feindliche Kämpfer eingestuft werden. Bisher sind 6 der 14 Gefangenen dem Tribunal vorgeführt worden.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:21 Uhr