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Vergessene Ikone der feministischen Literatur

Zum Tod der Schriftstellerin Christa Reinig

Die Schriftstellerin Christa Reinig (vorn) erhält 1968 den Hörspielpreis der Kriegsblinden (AP Archiv)
Die Schriftstellerin Christa Reinig (vorn) erhält 1968 den Hörspielpreis der Kriegsblinden (AP Archiv)

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist die Schriftstellerin Christa Reinig in der vergangenen Woche im Alter von 82 Jahren gestorben. Reinig bekam in der DDR schon früh Probleme, weil sie sich nicht der Diktion des sozialistischen Realismus unterwerfen wollte. 1964 erhielt sie den Bremer Literaturpreis und nützte die Preisverleihung, um im Westen zu bleiben. In den 70er und 80er Jahren wurde sie zu einem Sprachrohr der Frauenbewegung.

Reinig kam aus sehr ärmlichen Verhältnissen und verkaufte in den 1940er Jahren Blumen am Berliner Alexanderplatz. In der Abendschule holte sie ihr Abitur nach und studierte an der Humboldtuniversität. Bereits in den vierziger Jahren erschienen Gedichte von ihr in der Berliner Satirezeitschrift "Eulenspiegel".

Obwohl sie eine vorzeigbare Arbeiterbiografie vorweisen konnte, wollte sie sich nicht von der DDR vereinnahmen lassen und fühlte sich früh als Außenseiterin.

Dass sie immer ein wenig im Abseits stand, zog sich durch ihr ganzes Leben, meint der Literaturkritiker Helmut Böttiger. Auch als sie in den 70er Jahren sich als Lesbe outet und mit ihrem Roman "Entmannung" (1976) sich der Frauenemanzipation widmet, hat sie sich nie richtig zugehörig gefühlt zur Frauenbewegung, meint Böttiger. MP3-Audio

Neben dem Roman "Entmannung wurde sie durch die "Ballade vom blutigen Bomme" bekannt.

Reinig habe einen typischen Berliner Humor gehabt, meint die Schriftstellerin und Journalistin Annett Gröschner. Als sie in den 80 Jahren in Ost-Berlin Germanistik studiert habe, habe sie noch einen "Giftschein" benötigt, um die Gedichte Christa Reinigs lesen zu können, da sie in der DDR offiziell verboten war. Reinig sei eine sehr ironische Autorin gewesen, auch in ihren feministischen Texten, so Gröschner. MP3-Audio

In den letzten Jahren wurde sie zunehmend vergessen. Doch noch 2006 hatte sie einen Band mit philosophischen Betrachtungen unter dem Titel " Das Gelbe vom
Himmel" veröffentlicht.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:31 Uhr

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