Verleger wirft Google "Raubzug" bei Büchern vor

Heidelberger Appell moniert Verletzung von Urheberrechten

Das Hauptgebäude des Unternehmens Google in Mountain View im US-Bundestaat Kalifornien (AP)
Das Hauptgebäude des Unternehmens Google in Mountain View im US-Bundestaat Kalifornien (AP)

Inzwischen sind auch deutsche Verleger und Autoren alarmiert. Seit fünf Jahren verleibt sich die Suchmaschine Google Millionen Bücher ein, um sie über das Internet zu verbreiten. Im sogenannten Heidelberger Appell protestieren zurzeit zahlreiche prominente Schriftsteller und Verleger gegen den nach ihrer Meinung massiven Angriff auf das Grundrecht von Urhebern.

Bei FAZ.Net erschien am 22. März erstmalig der sogenannte Heidelberger Appell, der von den Verlegern Manfred Meiner, Vittorio Klostermann und KD Wolff gemeinsam mit dem Heidelberger Literaturwissenschaftler Roland Reuß initiiert wurde. Zu den Unterzeichnern zählen Publizisten, Wissenschaftler und Schriftsteller wie Daniel Kehlmann oder die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff. Im Appell heißt es unter der Überschrift "Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte": "International wird durch die nach deutschem Recht illegale Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Werke geistiges Eigentum auf Plattformen wie GoogleBooks und YouTube seinen Produzenten in ungeahntem Umfang und ohne strafrechtliche Konsequenzen entwendet."

Aufregung verursache vor allem eine Vereinbarung, die Google mit amerikanischen Verlagen und Autorenverbänden geschlossen hat, die vollständig zu Lasten der Europäer ging, erklärt Vittorio Klostermann, Inhaber des namhaften deutschen wissenschaftlichen Verlages Klostermann, in "Kultur heute" im Deutschlandfunk. Dort sei vereinbart, dass alle Werke, die nach amerikanischer Ansicht vergriffen sind, von Google frei digitalisiert, vollständig gezeigt und auch als E-Books verkauft werden dürften. Dies sei ein Raubzug, betont Klostermann, weil Google die Verlage nicht um Genehmigung bitte, sondern abwarte, ob Verlage im Einzelfall widersprechen. (MP3-Audio)

KD Wolff will Politik in die Pflicht nehmen

Der Verleger KD Wolff hat in diesem Zusammenhang die politisch Verantwortlichen in Deutschland zu einem stärkeren Eingreifen bei der Verletzung des Urheberrechts aufgefordert. Es sei unverständlich, dass niemand in Washington gegen eine mögliche Einigung protestiere, die GoogleBooks die Übernahme amerikanischer Bibliotheksbestände erlauben würde, sagte Wolff im Deutschlandradio Kultur.Davon seien auch deutsche Bücher betroffen.

Wissenschaftler wehren sich gegen Vorwürfe des Appells

Andreas Hübner, Mitarbeiter im Open-Access-Projekt der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren, machte in "Fazit - Kultur vom Tage" in Deutschlandradio Kultur die Gegenposition deutlich. Mit dem freien Zugang zu in erster Linie wissenschaftlichen Aufsätzen wolle man dem Steuerzahler im Internet ermöglichen, wissenschaftliche Projekte, die aus der öffentlichen Hand gefördert wurden, einsehen zu können. (MP3-Audio)

Die Verwertungsgesellschaft Wort, die Zweitnutzungsrechte von Autoren, Verlagen und Übersetzern in Deutschland wahrnimmt, verweist auf die Website www.googlebooksettlement.com zur Verwaltung des Vergleichs zur Sammelklage in Bezug auf Urheberrechte in Google Buchsuche.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr