Verschüttete Geschichte

Vor einem Jahr stürzte das Kölner Stadtarchiv ein

Trümmer liegen an der Stelle, an der am Tag zuvor das  Stadtarchiv in Köln stand. (AP)
Trümmer liegen an der Stelle, an der am Tag zuvor das Stadtarchiv in Köln stand. (AP)

Als vor einem Jahr das Kölner Stadtarchiv einstürzte, starben zwei Menschen unter den Trümmern und 30 Regalkilometer Akten aus über 1000 Jahren - das Gedächtnis einer Stadt, einer Region, eines Landes - verschwanden in einer Grube. Ein Jahr danach sind 85 Prozent des Archivguts geborgen - zum Teil in katastrophalem Zustand, zum Teil erstaunlich gut erhalten.

Zehn Prozent liegen noch verschüttet unterhalb des Grundwasserspiegels, und fünf Prozent müssen vermutlich als unwiederbringlich verloren gelten. Die Leiterin des Kölner Stadtarchivs, Bettina Schmidt-Czaia, gibt sich trotzdem optimistisch: "Wir gehen davon aus, dass wir gar nichts aufgeben werden."

Ungeklärte Verantwortung

Bücher liegen unter der eingestürzten Hauswand des Historischen Kölner Stadtarchivs. (AP)Bücher liegen unter einer eingestürzten Hauswand. (AP)Nach wie vor sind weder die Ursache der Katastrophe noch die Schuldfrage geklärt. Unbestritten ist jedoch ein Zusammenhang mit dem in unmittelbarer Nähe zum Stadtarchiv stattfindenden U-Bahnbau der Kölner Verkehrsbetriebe. Auf Baustellen der am Bau beteiligten Firma Bilfinger-Berger wurden im Februar 2010 Unregelmäßigkeiten entdeckt, die auf eine Gemengelage aus mangelnder Bauaufsicht, Pfusch und krimineller Energie schließen lassen - Stadt, Verkehrsbetriebe und Bauunternehmen schieben sich derweil die Verantwortung gegenseitig zu.

Sohn von Heinrich Böll erwägt Klage

Kleider hängen an der Wand eines eingestürzten Hauses in Köln. (AP)Kleider hängen an einer Wand. (AP)Der Sohn des Schriftstellers Heinrich Böll, René Böll, überlegt juristische Schritte gegen die Stadt Köln. Sie sei verantwortlich für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs, in dem auch der Nachlass seines Vaters lagerte. Die Stadt Köln habe den U-Bahnbau in Auftrag gegeben, aber nicht entsprechend kontrolliert. Bisher habe noch niemand konkret die Verantwortung übernommen.


Kölner Firmen am U-Bahnbau in Amsterdam beteiligt

Auch in Amsterdam soll eine U-Bahn gebaut werden, zum Teil mit den bereits in Köln beteiligten Firmen. Kein Wunder also, dass nach den Erfahrungen in Köln das Thema die Gemüter erregt.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:35 Uhr