Viele Rekorde und mehr Zeit für Lotte

Randnotizen zur Bundestagswahl

Ein neuer Bundestag ist gewählt. (dpa / Michael Kappeler)
Ein neuer Bundestag ist gewählt. (dpa / Michael Kappeler)

Die Stimmen sind ausgezählt, in den Parteispitzen rollen erste Köpfen und das zähe Ringen um eine Regierungsbildung hat begonnen. Doch neben der großen politischen Tektonik gab es rund um den Wahlabend auch viel Anekdotisches.

Rekordzahl an Stimmen geht ans Lager der sonstigen Parteien

So viele Stimmen wie noch nie seit Einführung der Fünf-Prozent-Hürde vor 50 Jahren gingen an Parteien, die nicht in den Bundestag einziehen werden - nach vorläufigem Stand insgesamt mehr als 15 Prozent. Dies nutzt vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Wegen dieses Höchstwerts sank die benötigte Stimmzahl für eine Bundestagsmehrheit auf rund 43 Prozent. Deshalb geriet eine Alleinregierung für die Union überraschend in Reichweite.

So sieht der 18. Bundestag aus

Der neue Bundestag besteht aus 630 Sitzen, welche von 401 männlichen und 229 weiblichen Abgeordneten besetzt werden. Die gesetzliche Mitgliederzahl des Bundestags von 598 Abgeordneten wird durch die nun 32 Überhangmandate erhöht. 401 Parlamentarier wurden wiedergewählt. Darunter auch der älteste Abgeordnete Heinz Riesenhuber (77 Jahre). Zu den 229 neu ins Parlament gewählten Abgeordneten zählt der 26-jährige und damit jüngste Parlamentarier, Mahmut Özdemir. Der neu gewählte Bundestag muss nun innerhalb von 30 Tagen erstmals zusammentreten.

Schröder zieht sich auch Ministeramt zurück

Kristina Schröder (CDU) hat ihren Rückzug vom Amt der Bundesfamilienministerin angekündigt: "Ich habe mich entschieden, für das nächste Kabinett nicht wieder als Ministerin zur Verfügung zu stehen, sagte sie auf der Wahlparty der CDU in Wiesbaden. Zur Begründung führte die 36-Jährige aus, ihr Amt und ihr Bundestagsmandat hätten ihr in den vergangenen Jahren zu wenig Zeit für die Familie gelassen. Künftig wolle sie sich mehr ihrer Tochter Lotte widmen.

Erste muslimische Angeordnete zieht in Bundestag ein

Als erste Muslimin wird die 35-jährige Cemile Giousouf Teil der neuen CDU-Bundestagsfraktion. Sie zog über die nordrhein-westfälische Landesliste in den Bundestag ein. In ihrem Wahlkreis Hagen/Ennepe-Ruhr-Kreis I konnte die CDU keinen örtlichen Kandidaten finden, sodass die türkischstämmige Giousouf nach Hagen kam und das Erststimmenergebnis gegenüber 2009 sogar um 0,6 Prozent-punkte auf 34,1 Prozent steigern konnte.

Mehr Deutsch-Türken im Bundestag

Im 18. Bundestag werden elf Deutsch-Türken als Abge-ordnete vertreten sein. Die Wahl 2009 brachte lediglich fünf Parlamentarier mit türkischem Migrationshintergrund hervor. Die Türkische Gemeinde erhofft sich durch die zusätzlichen Vertreter eine breitere Diskussion der Themen Migration und Teilhabe.

Erster aus Afrika stammende Abgeordnete im Bundestag

Karamba Diaby ist der erste afrikanisch-stämmige Abgeordnete im Bundestag. Der 51-Jährige zog über die Landesliste der SPD in Sachsen-Anhalt ein. Im Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis 72 in Halle, wo der promovierte Chemiker seit mehr als 20 Jahren lebt, musste er sich je-doch Christoph Berger von der CDU geschlagen geben. Besonders engagiert ist Diaby in den Bereichen Bildung und Integration. Seit 2011 ist er Referent bei der Integrationsbeauftragten des Landes Sachsen-Anhalt.

Wahlpleite der FDP mit weitreichenden Folgen

Die Niederlage der FDP kostet diese nicht nur die Präsenz im Bundestag, sondern bis zu 600 Menschen ihren Job. Zu diesen zählen neben den 93 Bundestagsabgeordneten und deren Mitarbeitern ebenso die Zuarbeiter in den Wahlkreisbüros im ganzen Land. Ende Oktober laufen zudem die Arbeitsverträge von 120 festen Angestellten der Bundestagsfraktion aus. Bei vielen besteht die Hoffnung, in anderen Fraktionen unterzukommen.

Beck nicht länger Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen

Volker Beck, derzeit Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, tritt nicht mehr für das Amt an. Beck will nunmehr in der Fachpolitik neue Aufgaben wahr-nehmen.

Ex-Spitzensportler auch im Wahlkampf siegreich

Der Ex-Sportstar Eberhard Gienger bleibt Teil des Bundestages. Dem Reck-Weltmeister von 1974 ist zum vierten Mal der Einzug gelungen. Dabei vereinigte er im Wahlbezirk Neckar-Zaber in Baden-Württemberg 53 Prozent der Stimmen auf sich und übertraf seinen SPD-Rivalen damit um mehr als das Doppelte.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:18 Uhr