Viele Tote und Verletzte in Ägypten

Blutige Nacht in Kairo und anderen Städten

Demonstration von Mursi-Gegnern in Kairo (picture alliance / dpa / EPA /Khaled Elfiqi)
Demonstration von Mursi-Gegnern in Kairo (picture alliance / dpa / EPA /Khaled Elfiqi)

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mohammmed Mursi sind mindestens 70 Menschen getötet worden. Die Auseinandersetzungen eskalierten unter anderem an der Straße zum Kairoer Flughafen.

Über die genaue Zahl der Getöteten gibt es widersprüchliche Angaben. Die Muslimbruderschaft spricht von mehr als 70 Toten, während in Berichten des Fernsehsenders Al Dschasira von 120 die Rede ist. Zudem sollen Hunderte Demonstranten verletzt worden sein. Die Sicherheitskräfte hätten gezielt auf Anhänger Mursis geschossen, hieß es.

Am Vormittag war die Polizei gegen Mursi-Unterstützer vorgegangen, die sich an der Straße zum Flughafen von Kairo versammelt hatten. Die Aktivisten erklärten, dabei habe sie scharfe Munition verwendet. Die amtliche Nachrichtenagentur Mena berichtete dagegen, es sei nur Tränengas zum Einsatz gekommen.

Hunderttausende Gegner des entmachteten Präsidenten hatten sich am Freitag in mehreren großen Städten zu Kundgebungen versammelt. Sie waren einem Aufruf von Armeechef Abdel Fattah al-Sisi gefolgt, der um ein "Mandat zur Bekämpfung des Terrors" gebeten hatte. Auch die Anhänger der Muslimbrüder, die Mursi nahestehen, waren zahlreich auf die Straße gegangen. Al Dschasira stellt die rivalisierenden Proteste auf einer Landkarte dar.

"Ägypten befindet sich auf direktem Weg in Richtung Abgrund", lautet das Fazit des Publizisten und Ägypten-Kenners Michael Lüders. "Es ist ganz offensichtlich, dass die Armeeführung nicht gewillt ist, sich mit der Muslimbruderschaft einigermaßen ins Benehmen zu setzen und sie in den politischen Versöhnungsprozess zu integrieren", sagte Lüders im Deutschlandfunk.

Der ägyptische Verteidigungsminister Abdelfatah al-Sisi (AFP / Khaled Desouki)Der ägyptische Verteidigungsminister Sisi (AFP / Khaled Desouki)

Ultimatum der Armee bis Samstagabend

Am Abend läuft ein Ultimatum des Militärs ab. Die Generäle hatten den Muslimbrüdern am Donnerstag 48 Stunden Zeit gegeben, um sich am politischen Versöhnungsprozess in dem Land zu beteiligen.

Ansonsten müssten sie sich auf ein härteres Vorgehen gefasst machen, zitierte die Nachrichtenagentur Mena aus einer der Armee nahestehenden Facebook-Seite. Die Mitteilung trug den Namen "Letzte Chance".

Ein Militärvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Erklärung gebe keinen "offiziellen Standpunkt" wieder. Sie sei allerdings auf einer Facebook-Seite mit "Verbindungen zur Armee" veröffentlicht worden. Die Frist sei "tatsächlich eine politische Einladung", sich an einem Aussöhnungsprozess zu beteiligen. Das bedeute aber nicht, dass die Mursi-Anhänger nach Ablauf der Frist unterdrückt würden. "Warum machen sich diese Leute Sorgen, wenn sie friedlich sind? Wir reden nur von Terroristen", fügte der Militärvertreter hinzu.

Bislang haben die Muslimbrüder jeden Dialog mit der neuen Staatsführung abgelehnt, da sie aus einem "Militärputsch" hervorgegangen und daher illegitim sei. Der frühere Staatschef Mursi sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm die Zusammenarbeit mit der radikal-islamischen Palästinenserbewegung Hamas während eines Gefängnisausbruchs 2011 vor.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr