Visitenkarte Interne Ermittlungen

‚@mediasres‘ im Deutschlandfunk

@MEDIASRES, Redaktion, vlnr.:Michael Borgers, Mike Herbstreuth, Bettina Köster, Isabelle Klein, Stefan Fries, Mirjam Kid, Christoph Sterz, Brigitte Baetz, Henning Hübert, Antje Allroggen, Heike Aißlinger, Bettina Schmieding, Sören Brinkmann, Anh Tran; es fehlen: Andreas Stopp, Annika Schneider, Sebastian Wellendorf und Sabine Lipka. Funkhaus Köln, 13.06.2019 (© Deutschlandradio/Bettina Fürst-Fastré)
Dr. Monika Künzel und Renate Alves (v. l.), Redaktion ,Lange Nacht‘ (© Deutschlandradio/Bettina Fürst-Fastré)

Klassische Partyfrage: "Was treibst du denn so beruflich?" "Ich bin beim Radio." "Was machst du da genau?" "Medienjournalismus." "Interessant. Gibt es noch Bier?" Auf Partys wünscht sich jeder Medienjournalist, Sportreporter zu sein oder Politikredakteur. Über Fußball haben alle eine Meinung, über die Bundeskanzlerin auch. Dass weder Bundestrainer noch Bundesregierung unbeobachtet tun und lassen können sollten, was sie wollen, ist klar. Niemand muss hier erklären, dass Journalismus wichtig ist.

Aber wofür genau ist Medienjournalismus da? Manchmal, wirklich äußerst selten, eigentlich fast nie, will es jemand zwischen Kartoffelsalat und Zapfhahn genau wissen. Hätte ich Georg Mascolo zitieren können, wäre die Sache geritzt gewesen. "Die Medien ziehen die Mächtigen zur Rechenschaft. Und der Medienjournalismus zieht die Medien zur Rechenschaft", hat der Journalist bei der Geburtstagsfeier des Branchendienstes epd Medien im April gesagt. Es ist ganz einfach: Journalisten blicken kritisch auf die Mächtigen. Und da auch Medien Macht haben, behalten Medienjournalisten die Medien im Auge. Medienjournalismus ist also so etwas wie die interne Ermittlung im Krimi. Und ähnlich unbeliebt.

Das Wochenmagazin ‚Markt und Medien‘ stand im Deutschlandfunk über 20 Jahre lang für Medienberichterstattung, jeden Samstag. 2017 entstand eine verwegene Idee: Wie wäre es mit einem werktäglichen Magazin über Medien? Ein gewagtes Unterfangen. Damals schallten die vier rhythmisch skandierten Silben des Wortes "Lügenpresse" von den Pegida-Demos bis in jede zweite Ausgabe der Tagesschau. Ist man noch ganz bei Trost, sich ausgerechnet in einer Zeit, in der Journalistinnen und Journalisten beschimpft werden, kritisch mit Journalismus zu beschäftigen?

Wir bei ,@mediasres‘ finden: Eine bessere Zeit für ein Medienmagazin hat es nie gegeben. Transparenz ist die einzige Antwort auf die Vertrauenskrise. Und um die bemühen wir uns um kurz nach halb vier in unserer Sendung, auf unserem Onlineportal und freitags im Hörer-Dialog. Wir planen jeden Morgen ab neun Uhr und spätestens um zehn Uhr denken wir, wir könnten auch zwei Sendungen füllen; mit der Erosion des öffentlich-rechtlichen Journalismus in Polen oder Ungarn, mit dem Feldzug von Trump gegen die Medien. Mit der Macht der sozialen Medien allgemein und dem Einfluss von ‚Influencern‘ auf den Ausgang von Wahlen im Besonderen. Wir berichten über verfolgte Journalisten und über schlechte Journalisten. Wir berichten auch über uns selbst, über die öffentlich-rechtlichen Medien, ihre Schwächen und Stärken, das Hickhack um die künftige Finanzierung.

Aber es geht bei ‚@mediasres‘ auch um das, was gut läuft. Dem Niedergang des Lokaljournalismus setzen wir ‚Neues von nebenan‘ entgegen: Die Reihe zeigt die erfolgreichen Versuche, sich im Regionalen zu behaupten.

Um noch einmal auf das Schmähwort von Pegida zu kommen: Gelogen wird selten. Wenn doch, greifen die Selbstreinigungskräfte ziemlich gut. Zu beobachten zurzeit am Fall des Ex-Spiegel-Journalisten Claas Relotius.

Eine staatliche Kontrolle für Medien ist in unserem Land nicht vorgesehen. Wo kämen wir da auch hin, wenn die Politik entscheiden dürfte, was über sie geschrieben wird? Was aber vorgesehen ist, ist der staatliche Schutz eines Privilegs: der Pressefreiheit. Dieses Privileg ist in Gefahr, wenn Medien die Regeln, die sie anderen auferlegen, selbst nicht einhalten. Und deswegen gibt es Medienjournalismus. Auch wenn das auf Partys kein Knallerthema ist.


Bettina Schmieding,
Redakteurin ‚@mediasres‘


Deutschlandfunk
Montag bis Freitag, 15.35 Uhr
@mediasres
Das Medienmagazin