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Visitenkarte Kitt mit Konfliktstoff

‚Tag für Tag‘ und ‚Aus Religion und Gesellschaft‘ im Deutschlandfunk

14.10.2019, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Redaktion Tag für Tag (© Deutschlandradio / Ulla Anne Giesen)
Christiane Florin, Matthias Recht, Nicole Torres, Monika Dittrich, Andreas Main, Benedikt Schulz, Christian Röther, Karin Mikolajewski (v.l.n.r.) (© Deutschlandradio / Ulla Anne Giesen)

Die Sendung ‚Tag für Tag‘ ist ein Unikat in der deutschsprachigen Radiolandschaft. 25 Minuten Religionsjournalismus von Montag bis Freitag: Das gibt es nur im Deutschlandfunk. Dabei wurde in den 1960er- und 70er-Jahren die Soziologen-These modisch, die da lautete: "Die Säkularisierung schreitet unaufhaltsam voran, das mit der Religion wird sich bald erledigt haben." Eigentlich müssten uns jetzt die Themen ausgehen. Doch die Prognose hat sich nicht bewahrheitet. Die Säkularisierung schreitet voran, aber gerade deshalb hat sich das mit der Religion nicht erledigt. Wer nichts von Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus versteht, versteht die Welt nicht. Religion ist gesellschaftlicher Kitt und Konfliktstoff, tief empfundener Glaube und oberflächlicher Identitätsmarker, Gemeinschaft und individuelle Sinnsuche.
Von Anschlag bis Zölibat
Als dieser Text entsteht, ist der Anschlag auf die Synagoge in Halle gerade eine Woche her. Gleichzeitig wird an den 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution erinnert. Zeitzeugen sagen, es sei eine protestantische Revolution gewesen. Polen stimmt über den nationalkatholischen Kurs der PiS-Regierung ab. Im Norden Syriens, wo viele Christen leben, können Hunderte islamistische Terroristen aus der Haft fliehen, weil das Militär der Türkei in den Norden des Landes einmarschiert. Im Vatikan wird drei Wochen lang über Klimaschutz und Gerechtigkeit im Amazonas-Gebiet diskutiert, gerungen wird auch um Reformen in der katholischen Kirche, etwa um eine Lockerung des Zölibats.
Aktuelles und Hintergrundwissen
Das ist die Nachrichtenlage an ein paar Tagen im Herbst 2019 – und jede dieser Nachrichten hat etwas mit Religion zu tun. ‚Tag für Tag‘ fragt: Was genau? Und was nicht? Unsere Sendung liefert aktuelle Informationen und Hintergrundwissen, sie greift Debatten auf und stößt Debatten an. Wir nehmen uns Zeit für ausführliche Interviews und werten es als Kompliment, wenn dann in der Publikumspost steht: "Das Gespräch war viel zu kurz."
Wobei wir auch kurz können. Auch bunt und unterhaltsam. Aber eben auch akademisch. Denn auch wenn ‚Tag für Tag‘ sich an ein allgemein politisch-kulturell interessiertes Publikum richtet, so haben wir dennoch den Ehrgeiz, die Hörer an theologischen und religionswissenschaftlichen Debatten teilhaben zu lassen.
Der Anteil derer, die sich keiner Religion zugehörig fühlen, steigt. Regelmäßig greift die Redaktion Religionskritik und Atheismus auf. Ein Vertreter des Humanistischen Verbandes schrieb der Redaktion: "Wenn es die Sendung noch nicht gäbe, müsste ‚Tag für Tag‘ erfunden werden."
Entschleunigt und sinnlich
In der Abendsendung ‚Aus Religion und Gesellschaft‘ widmen wir uns 20 Minuten lang einem Thema, das über Monate geplant, recherchiert und liebevoll produziert wird. Das Feature ist oftmals bewusst zeitlos, es lädt ein, sich in einer abendlichen Situation zurückzulehnen und sich auf Vertiefung einzulassen. Hier ist zum Beispiel Raum für jüdische, christliche oder islamische Mystik – gerade auch im Gegensatz zum allgegenwärtigen Fundamentalismus. Hier ist Raum für Philosophie, Theologie und Kunst. Entspannt. Entschleunigt. Intellektuell. Sinnlich.
Ganz wichtig, ganz zum Schluss: Um in unseren Religionssendungen fündig zu werden, muss man nicht gläubig sein – Neugier genügt.


Christiane Florin und Andreas Main,
Redaktion Aktuelle Kultur
Deutschlandfunk


Deutschlandfunk
montags bis freitags, 9.35 Uhr
Tag für Tag

mittwochs, 20.10 Uhr
Aus Religion und Gesellschaft