Vom Zankapfel zum Erfolgsmodell

25 Jahre Deutsches Historisches Museum in Berlin

Von Jürgen König

Deutsches Historisches Museum (AP)
Deutsches Historisches Museum (AP)

Als am 28. Oktober 1987 der Grundstein für den Bau eines Deutschen Historischen Museums in West-Berlin gelegt wurde, löste das noch heftige Debatten aus. Heute gilt das DHM als eines der erfolgreichsten Museen Deutschlands.

Am 750. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung Berlins, am 28. Oktober 1987, wurde feierlich der Gründungsakt begangen, bei dem Bundeskanzler Helmut Kohl betonte, das Deutsche Historisches Museum, sei ein "Geburtstagsgeschenk des Bundes an Berlin".

"Ich selbst habe immer wieder hervorgehoben, dass es sich aus meinem Verständnis um eine nationale Aufgabe von europäischem Rang und europäischer Dimension handelt. Diese Errichtung eines Museums für deutsche Geschichte ist für mich ein notwendiges, ein überfälliges, politisches und kulturelles Vorhaben von Bedeutung für die geteilte Nation und sicherlich auch von Bedeutung für alle unsere Nachbarn. Wir können weder den früheren noch den künftigen Generationen gerecht werden, wenn wir ganz einfach nicht wissen, woher wir kommen, wenn wir die Geschichte des eigenen Volkes nicht kennen, sie uns nicht vergegenwärtigen in ihren Höhen und ihren Tiefen."

Dass Helmut Kohl auch "die Tiefen" der deutschen Geschichte "vergegenwärtigen" wollte, nahm ihm von den Intellektuellen der Bundesrepublik der 80er-Jahre kaum einer ab. Geschichte aufarbeiten! - ja, das war eines der zentralen Anliegen der 68er gewesen. Die Vergangenheit bewältigen: das konnte man am besten in der Familie, in Projektgruppen an der Uni, in öffentlichen Diskussionsforen. Das milliardenschwere Regierungsprojekt eines "Deutsches Historischen Museums" indes als Ort der Vergangenheitsbewältigung, das wurde sogleich verdächtigt als "Identitätsmaschine", die es zu "verhindern" galt, als Ort zur "nationalen Sinnproduktion", zur Wiederbelebung nationalstaatlichen Denkens. Der Historiker Hans Mommsen 1986:

"Wir haben das Problem, dass, wenn man jetzt deklarativ die deutsche Geschichte präsentiert in West-Berlin unmittelbar an der Mauer, sofort der Verdacht einer Erneuerung imperialistischer Ansprüche auftritt."

Bei einer chronologischen Anlage eines deutschen Geschichtsmuseums vom 10. Jahrhundert bis heute, so Mommsen, käme nun einmal nur der "nationale Gedanke" als "roter Faden" in Frage. "An der Mauer, aber nicht im Schatten der Mauer", sollte das Deutsche Historische Museum gebaut werden, als Gegenpart zum "Museum der Deutschen Geschichte", das die DDR 1950 im Ostteil der Stadt, im Zeughaus, Unter den Linden, eingerichtet hatte: nach Mauerfall und Wiedervereinigung zog es just in diesem Gebäude ein.

Nach schier endlosen Debatten über das Nationalbewusstsein und "das deutsche Unbehagen an sich selbst", nach dem Historikerstreit, der durch diese DHM-Debatten ausgelöst wurde, ist die Institution Deutsches Historisches Museum heute unumstritten. Gründungsdirektor Christoph Stölzl löste in zwölf Jahren ein, was er zu Beginn seiner Amtszeit angekündigt hatte:

"Ihr Geschenk, Herr Bundeskanzler, ist vieldeutig wie unsere Geschichte. Zur unkritischen Traditionsbildung taugt es ebenso wenig wie zur Folie einer schwarz-weiß gemalten Unheilsgeschichte der modernen Nation."

Unter Christoph Stölzl wurde das Deutsche Historische Museum zu einem zentralen Ort Berlins, mit abendlichen Diskussionen, glanzvoll und kultiviert wie in einem der legendären Berliner Salons. Stölzls Nachfolger Hans Ottomeyer war als Inspirator nicht ganz so glanzvoll, seine Verdienste sind: die Renovierung des Zeughauses und die Einrichtung der vielbesuchten Dauerausstellung. An der europäischen Ausrichtung seines Hauses, von der schon Helmut Kohl gesprochen hatte, hielt auch er fest.

"Dieses Bild von Deutschland in Europa hat sich ganz wesentlich für das Museum als ein Ziel herausgestellt. Wir haben an einem Geschichtsbild gearbeitet, dass die lange Geschichte konstruiert hat, und die große Geschichte, nämlich die Geschichte Europas: man kann keine Geschichte von sich selbst schreiben."

Der Nachfolger Hans Ottomeyers ist seit über einem Jahr im Amt: Alexander Koch, der als "unkonventioneller Denker" gepriesen wurde, bisher als solcher aber noch nicht wirklich in Erscheinung trat. Doch heute geht der Blick ja: zurück.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr