Vorbei an der Warteliste

Neue Zahlen zur Organspende offenbaren Anfälligkeit des Vergabesystems

Ärzte führen eine Nierentransplantation durch (picture alliance / dpa / Balazs Mohai)
Ärzte führen eine Nierentransplantation durch (picture alliance / dpa / Balazs Mohai)

Immer mehr Herzen, Bauspeicheldrüsen und Lebern werden an der offiziellen Warteliste vorbei vergeben. Das zeigen einem Medienbericht zufolge neue Zahlen aus dem Bundesgesundheitsministerium. Das System der "beschleunigten Vergabe" sei anfällig für Manipulationen.

Dem Berichtder "Frankfurter Rundschau" zufolge werden Spenderorgane zunehmend von einzelnen Kliniken direkt vergeben - sie fallen damit aus dem System der bundesweiten offiziellen Warteliste heraus. Dieses "beschleunigte Verfahren" soll dem Blatt zufolge für die Vermittlung der Organe älterer oder kranker Spender angewendet werden, für die es nur wenige geeignete Empfänger gibt. Sobald drei Kliniken (bei Nieren fünf) ein Organ aus medizinischen Gründen ablehnen, können die Kliniken, bei denen das Organ gespendet wurde, dieses direkt vergeben.

Längst keine Einzelfallregelung mehr

Die Regelung, die einst für Einzelfälle gedacht war, wird offenbar längst massenhaft ausgeschöpft - das geht aus den vorab veröffentlichten Zahlen aus dem Bundesgesundheitsministerium hervor. Der Anteil der beschleunigt vermittelten Organe stieg in den vergangenen Jahren deutlich an: Inzwischen werden jedes vierte Herz, jede dritte Leber und jede zweite Bauchspeicheldrüse direkt vergeben. 2002 habe der Anteil der so vermittelten Organe an der Gesamtmenge hingegen noch unter 10 Prozent gelegen, so das Blatt. Das System sei "offensichtlich anfällig für Manipulation".

Problematisch bewerten Gesundheitsexperten das beschleunigte Verfahren deshalb, weil es dazu verführe, die Organe "kränker" zu machen als sie tatsächlich sind. Der Grünen-Gesundheitsexperte Harald Terpe forderte, das Verfahren müsse transparent gemacht und von einer unabhängigen Einrichtung evaluiert werden. "Nach den Ereignissen in Göttingen und Regensburg müssen wir alles tun um sicherzugehen, dass nicht auch an anderer Stelle manipuliert wird", so Terpe gegenüber der "Rundschau".

Ein Oberarzt, der an den Universitätskliniken beider Städte gearbeitet hat, soll Krankenakten manipuliert haben, um Patienten auf der Warteliste für Spenderorgane ganz vorn zu platzieren.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr