Wachsender Druck auf Siemens-Aufsichtsratschef von Pierer

Ehemaliges Vorstandsmitglied des Konzerns verhaftet

Siemens- Verwaltungsgebäude in München (AP)
Siemens- Verwaltungsgebäude in München (AP)

Nach der Verhaftung des ehemaligen Siemens-Konzernvorstands Ganswindt fordern Aktionärsschützer den Rücktritt von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer. Die Schwarzgeldaffäre gehe auf eine Zeit zurück, in der von Pierer Vorstandschef bei Siemens war, sagte ein Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) gegenüber der "Berliner Zeitung".

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erklärte, von Pierer könne als Betroffener nicht die Untersuchungen innerhalb des Konzerns leiten. Der Fall Siemens zeige, dass Vorstandschefs nicht automatisch Aufsichtsratsvorsitzende werden sollten.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast verlangte, dass von Pierer als Innovationsberater der Bundesregierung abgesetzt wird. Bis zur vollständigen Aufklärung der Schmiergeld-Affäre sei von Pierer als Innovationsberater der Bundesregierung und Vorsitzender des Rates für Innovation und Wachstum untragbar, sagte Künast in Berlin. Das CSU-Mitglied von Pierer ist Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Merkel. Unter Rot-Grün war er Mitglied der Initiative "Partner für Innovation".

Transparency International: von Pierer war möglicherweise nicht informiert

Der Vorstandsvorsitzende von Transparency International, Hansjörg Elshorst, hält es für möglich, dass Heinrich von Pierer nichts von den schwarzen Kassen gewusst hat. Es sei durchaus üblich, dass "die nach außen agierende Spitze keine Ahnung hat was läuft und auf diese Weise umso überzeugender nach außen wirkt", sagte Elshorst im Deutschlandfunk.

Ehemaliger Konzernchef bleibt in Haft

Der ehemalige Siemens-Konzernvorstand Ganswindt ist weiter in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München teilte mit, die Öffentlichkeit werde frühestens Mitte kommender Woche über den aktuellen Ermittlungsstand informiert. Ganswindt war am Dienstagabend verhaftet worden. Nach einem Bericht von "Spiegel Online" war der Manager von einem ehemaligen Kollegen im Bereichsvorstand bei Siemens belastet worden. Demnach habe er das vermutete System von Scheinfirmen und schwarzen Kassen gekannt und geduldet.

Siemens wollte sich zu der Verhaftung nicht äußern. Ganswindt sei kein Siemens-Mitarbeiter mehr, hieß es zur Begründung. Der Manager hatte den Konzern im September verlassen und war zum Messtechnikspezialisten Elster Group in Luxemburg gewechselt.

Verdächtige Zahlungen in Höhe von 420 Millionen Euro

Nach internen Überprüfungen bei Siemens wurden bislang zweifelhafte Zahlungen in Höhe von 420 Millionen Euro festgestellt. Dabei geht es um einen Zeitraum von sieben Jahren. Nach den Worten von Finanzvorstand Kaeser handelt es sich um verdächtige Zahlungen für Beraterverträge. Der Konzern hat daher nachträglich Steuerbelastungen von 168 Millionen Euro veranschlagt.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:20 Uhr