Waffenruhe in Syrien brüchig

Westerwelle mahnt zu Einhaltung der Feuerpause

Vier Tage lang sollen die Waffen schweigen (picture alliance / dpa /Stringer)
Vier Tage lang sollen die Waffen schweigen (picture alliance / dpa /Stringer)

In Syrien gilt von heute an eigentlich vier Tage lang eine Waffenruhe. Doch es kam zu Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen und einer Explosion in der Hauptstadt Damaskus. Die Konfliktparteien wurden zuvor gewarnt, ein neuerliches Scheitern der Waffenruhe könne die Kämpfe verschärfen.

Schon einmal war in Syrien eine Waffenruhe angekündigt worden. Schon einmal hatten Armee und Aufständische sie gebrochen. So nun auch diesmal, und zwar schon unmittelbar nach den Morgengebeten. In einer Moschee in der südlichen Provinz Deraa sollen Sicherheitskräfte des Regimes von Baschar al-Assad auf Teilnehmer einer Demonstration im Anschluss an das Morgengebet geschossen haben. Drei Menschen seien verletzt worden. So berichten es Anhänger der Opposition - ihre Angaben lassen sich von unabhängiger Seite nicht bestätigen.

Ein syrischer Armeepanzer fährt auf einer Straße in der Nähe von Homs. (AP/dapd)Ein Panzer der syrischen Armee (AP/dapd)Auch aus dem Norden an der Grenze zur Türkei werden Schusswechsel gemeldet. Ein Reuters-Reporter in der türkischen Grenzstadt Besaslan berichtete von Maschinengewehrfeuer und Granateneinschlägen in dem nahe gelegenen syrischen Ort Haram. Es sei jedoch unklar, welche Seite geschossen habe. Schwere Kämpfe soll es auch an der Armeebasis Wadi al-Deif geben haben. Rebellen hätten versuchten, diese zu stürmen, hieß es. Im Südwesten des Landes kam es offenbar am Kontrollposten nahe Tel Kelach ebenfalls zu Schusswechseln.

Anschlag in Damaskus

In der syrischen Hauptstadt Damaskus explodierte eine Autobombe. Bei der Explosion habe es laut Aktivisten "dutzende" Tote und Verletzte gegeben. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte explodierte der Sprengsatz vor einer Moschee in dem Viertel Daf Schawk im Süden der Hauptstadt. Dabei seien auch "zahlreiche Häuser" in naher Umgebung zerstört worden, teilte die den Oppositionellen nahe stehende Organisation mit.

Die amtliche Nachrichtenagentur Sana sprach von einem "Terroranschlag". In den Berichten der Agentur war von einer nicht näher genannten Zahl von "Opfern" und ebenfalls von großen Sachschäden die Rede.

Westerwelle: "Hoffnungsschimmer"

Am Rande des EU-Außenministertreffens in Paphos, Zypern (picture alliance / dpa / Katia Christodoulou)Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) (picture alliance / dpa / Katia Christodoulou)Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat alle Parteien in Syrien zur Einhaltung der vereinbarten Waffenruhe gemahnt. Er hoffe, dass einzelne Verstöße nicht zu einem Zusammenbruch des landesweiten Gewaltverzichts führten, sagte Westerwelle in Berlin. Die Vereinbarungen seien zumindest ein Hoffnungsschimmer für die Menschen in Syrien.

Im syrischen Staatsfernsehen hatte die Armeeführung zuvor erklärt, die Waffen sollten mit dem Beginn des islamischen Opferfestes (Eid al-Adha) schweigen. Das Militär behalte sich aber vor, auf Verstöße gegen die befristete Feuerpause zu reagieren. Auch ein Großteil der bewaffneten Opposition hat sich mit dem Vorschlag des internationalen Syrien-Vermittlers Lakhdar Brahimi einverstanden erklärt, über die Feiertage die Kämpfe einzustellen. Brahimi rief darauf hin alle Beteiligten auf, die Waffenruhe ernst zu nehmen. Ein neuerliches Scheitern könne die Kämpfe verschärfen.

Das Opferfest (Eid al-Adha) ist das wichtigste islamische Fest und wird drei bis vier Tage lang gefeiert. Beim Opferfest wird des Propheten Ibrahim gedacht, parallel findet der Haddsch, die mehrtägige Wallfahrt nach Mekka, statt. Bereits im Frühjahr war eine von Brahimis Vorgänger Kofi Annan vereinbarte Waffenruhe nach nur wenigen Tagen gebrochen worden.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr