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Wagner-Nachfolge in Bayreuth weiter ungeklärt

Festivalchef ließ sich von Anwalt vertreten

Wolfgang Wagner, Enkel von Richard Wagner (AP)
Wolfgang Wagner, Enkel von Richard Wagner (AP)

In Bayreuth war der Stiftungsrat der Wagner-Festspiele zusammengekommen, um über die Zukunft des Musikfestivals zu beraten. Dabei sollte es auch um die Nachfolge des Leiters Wolfgang Wagner gehen. Der 88-Jährige ließ von seinem Anwalt erklären, dass er weiterhin geschäftsfähig sei.

Wolfgang Wagner ist ein Enkel Richard Wagners. Er leitet die Bayreuther Festspiele seit dem Tod seines Bruders Wieland im Jahr 1966.

1973 wurde auf sein Betreiben hin die Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth eingerichtet. So wurde der gesamte Wagnerbesitz - das Festspielhaus, die Villa Wahnfried und das Wagner-Archiv - in eine Stiftung öffentlichen Rechts verwandelt. Dem Stiftungsrat gehören Vertreter des Bundes, des Landes Bayern, der Familie Wagner, der Stadt Bayreuth sowie einiger weiterer Institutionen an.

Stiftungsrat will Nachfolge nur in Familie suchen

Dr. Karl Gerhard Schmidt, Vorsitzender der "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth", zeigte sich enttäuscht über das Fehlen Wolfgang Wagners bei der Sitzung des Stiftungsrates am Dienstag. Man wolle jetzt von der personellen Diskussion wegkommen und die kandidierenden Familienmitglieder bitten, konkrete Konzepte vorzulegen, betonte Schmidt am Mittwoch im "Radiofeuilleton" von Deutschlandradio Kultur. (Text/ MP3-Audio)

Auch nach Ansicht des Journalisten Jörn Florian Fuchs wolle der Rat ein Zeichen für den Wechsel setzen. Fakt sei, dass die Festspiele de facto seit Längerem von Wolfgang Wagners Frau Gudrun geleitet würden, sagte er am Dienstag in "Kultur heute" vom Deutschlandfunk. (Text, MP3-Audio)

Erbfolgestreit als Familiendrama

Seit 1999 wird über die Nachfolge Wolfgang Wagners diskutiert. Im März 2001 gab der 24-köpfige Stiftungsrat bekannt, dass er sich für Eva Wagner-Pasquier, Wagners verstoßene Tochter aus erster Ehe, als Nachfolgerin entschieden hatte. Doch Wagner dachte nicht daran, seine Position aufzugeben. Er hat einen Vertrag auf Lebenszeit und müsste daher selbst zurücktreten. Aufgelöst werden könnte der Vertrag nur, wenn er für geschäftsunfähig erklärt würde.

Mit der Erklärung des Wagner-Anwalts am Dienstag, dass sein Mandant weiterhin geschäftsfähig sei, sei man auf einer nüchternen juristischen Ebene angekommen, schätzte Wolf Dieter Peter nach der Sitzung in der Sendung "Fazit am Abend" ein. Die Stimmung im Sitzungsrat sei inzwischen gereizt. (Auszug aus dem Interview, MP3-Audio)

Die Combo aus Archivbildern zeigt den Dirigenten Christian Thielemann (links) und Richard Wagners Urenkelin Katharina Wagner. (AP)Die Combo aus Archivbildern zeigt den Dirigenten Christian Thielemann (links) und Richard Wagners Urenkelin Katharina Wagner. (AP)Wolfgang Wagners Wunschkandidatin ist Katharina, seine Tochter aus zweiter Ehe. Die 29-Jährige gab in diesem Jahr am Grünen Hügel ihr Bayreuther Debüt als Regisseurin mit den "Meistersingern von Nürnberg". Sie bewirbt sich im Team mit dem Dirigenten Christian Thielemann und dem Kulturmanager Peter Ruzicka. Als Konkurrentinnen treten auf: ihre Cousine Nike, Tochter von Wieland Wagner und künstlerische Leiterin des Weimarer Kunstfestes, sowie Eva Wagner-Pasquier. "Quasi einen Kuhhandel - Wolfgang Wagner tritt nur zurück, wenn seine Tochter (Katharina - d. R.) vom Stiftungsrat abgesegnet wird als Nachfolgerin, das ist qua Satzung überhaupt nicht möglich", sagte Korrespondent Thomas Viewegh im Deutschlandradio Kultur. (MP3-Audio)

Der einflussreiche Mäzenaten-Verein "Freunde von Bayreuth" hatte vor der Sitzung an Wolfgang Wagner appelliert, von der Leitung zurückzutreten.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:26 Uhr