Wandern mit dem Deutschlandfunk Rückblick: Großes Moor bei Gifhorn

Torfabbau und die Trockenlegung durch die Landwirtschaft haben das frühere Hochmoor bei Gifhorn zerstört. Übriggeblieben sind einige Niedermoorstellen (© Jule Reimer)
Torfabbau und die Trockenlegung durch die Landwirtschaft haben das frühere Hochmoor bei Gifhorn zerstört. Übriggeblieben sind einige Niedermoorstellen (© Jule Reimer)

Eine Blockhütte auf einer Streuobstwiese, ein paar Meter dahinter ein kleiner Bahnsteig: So sieht ein Hauptbahnhof aus, nämlich der von Westerbeck, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Sassenburg nahe dem niedersächsischen Gifhorn. Ab hier führt das Gleis ins niedersächsische "Große Moor". Angetrieben von einem 20 PS starken Zweizylinder-Diesel zockelt die Moorbahn im gemütlichen Schritttempo durch ein kleines Waldstück in Richtung Moor.

Moore waren einmal die prägende Landschaft Norddeutschlands. Bis der Torfabbau in großem Stil einsetzte, zum Beispiel um Brennstoff für die Maschinen des Harzer Bergbaus zu liefern.

Die EU-Agrarsubventionen machten es zudem für Landwirte lohnend, Moore trockenzulegen und zum Acker umzubrechen. Dumm nur, dass dabei ungeheuer viel CO2 freigesetzt wird – 5 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen gehen auf dieses Konto.

Bildergalerie - Großes Moor bei GifhornStartpunkt für den Weg ins Große Moor: Die Streuobstwiese des Vereins Natur- und Kulturerlebnispfad Großes Moor Gifhorn e.V., der die Moorbahn betreibtTypische Landschaft im Großen Moor bei Gifhorn: Torfflächen, Heide, BirkenwaldEinsames Wollgras – vor dem Dürresommer 2018 bedeckte die Pflanze große Flächen im Großen MoorDie Moorbahner von Westerbeck: Vereinsvorstand Heinrich Tacke, Heinz Dettmer und Lokführer Klaus PleugerDie einen zockeln mit der Moorbahn weiter, die anderen laufen ein Stück durchs Große MoorTorfabbau und die Trockenlegung durch die Landwirtschaft haben das frühere Hochmoor bei Gifhorn zerstört. Übriggeblieben sind einige NiedermoorstellenNiedersachsens Landeskorrespondent Dietrich Mohaupt reportiert live für die Dlf-Sendung "Sonntagsspaziergang"Kostbares Torfmoos: Diese hochspezialisierte Pflanze ist typisch für ein HochmoorZwischenstation mit Aussichtsturm: Hier wird die Tierwelt des Moors erklärtGemeinsames Picknick nach Ende der Moorbahnfahrt – einschließlich Spülen durch die Hörer und HörerinnenAm Anfang ist ein See, der verlandet, erklärt NABU-Biologe Réné Hertwig. Dadurch bildet sich ein Niedermoor, das mit dem Grundwasser verbunden ist. Wenn sich dann noch Torfmoose ansiedeln, verwandelt sich das Biotop langsam in ein Hochmoor – das sich nur Im Schritttempo zockelt die Bummelbahn der Moorbahner von Westerbeck in Richtung Moor

Umgekehrt binden lebendige Moore viel CO2, insbesondere Hochmoore, wie es das Große Moor einst war. Der Kreisverband des NABU-Gifhorn arbeitet mit EU-Förderung daran, es wieder zu vernässen. Biologe Réné Hertwig und seine Kollegin Doris Plenter versuchen zudem, typische Pflanzen wie Wollgras oder Torfmoose wieder anzupflanzen.

Allerdings: Ein Dürresommer wie 2018 wirft das ganze Wiedervernässungsprojekt wieder zurück – eine Negativspirale. Dabei spielen Wälder und Moore mit ihrer Kraft, CO2 zu binden, in der Klimastrategie der Bundesregierung eine wichtige Rolle.

Moore sind wichtig für den Klimaschutz
Der Begriff Hochmoor beschreibt Moorlandschaft mit seltenen Torfmoosen, die nur vom nährstoffarmen Regenwasser gespeist wird. Im Gegensatz dazu lebt der Torfkörper eines Niedermoors vom nährstoffreicheren Grundwasser. Im Großen Gifhorner Moor gedeiht nur auf kleinen Flächen noch neues Torfmoos. Auf intakten, feuchten Hochmoorflächen nimmt diese hochspezialisierte Pflanze viel CO2 aus der Luft auf. Durch den ständigen Wasserüberschuss und den Sauerstoffmangel kann das absterbende Torfmoos jedoch nicht vollständig verrotten – es bildet sich Torf. Es findet also anders als im Gartenkompost kein Zersetzungsprozess statt. Dadurch bleibt das CO2 weiter in den Pflanzen bzw. dem Torf gespeichert anstatt in die Atmosphäre zu entweichen. Schicht für Schicht wächst das Hochmoor nach oben – in 1000 Jahren ungefähr 1 Meter.

Manche Hörer und Hörerinnen hatten sich wieder abgemeldet, als sie merkten, dass wir das Moor hauptsächlich mit der Bummelbahn erkunden würden. Bei Eltern mit kleinen Kindern sowie allen, die nicht so gut zu Fuß waren, kam der Service der Moorbahn hingegen sehr gut an – das galt auch fürs Live-Reportieren im Dlf-Sonnstagspaziergang. Wer wollte, durfte jedoch auch ein Stück zu Fuß durchs moorige Naturschutzgebiet laufen – in Begleitung der NABU-Biologen.

Weil sich die Anmeldungen schnell gehäuft hatten, erklärten sich die Westerbecker Moorbahner bereit, eine zweite Tour ab 14h einzulegen. Mit einem interessanten Effekt: Nach der Ankündigung der Nachmittagtour meldeten sich deutlich mehr Familien mit Kindern sowie junge Erwachsene als am Morgen an.

Das Sahnehäubchen am Ende: Wir durften die Blockhüttenküche des Moorbahn-Vereins nutzen und zum Kaffee einladen.

Die Westerbecker Moorbahner – vorwiegend meist Rentner mit beruflicher Technik-Erfahrung – geben freimütig zu, dass sie sich mit der kleinen Diesellok samt Wagen kindliche Jim-Knopf-Träume erfüllen. Mit seinem für jedermann offenen Picknickplatz auf der Streuobstwiese samt Insektenhotel und Tierstimmensi­mulator ist der Verein gleichzeitig ein schönes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement.

Dietrich Mohaupt und Jule Reimer


Beitrag zum Thema:

Im Großen Moor bei Gifhorn – Wo das Moor erlebbar wird (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 06.05.2019)


Mehr dazu:

deutschlandfunk.de/wandern
deutschlandradio.de/denkfabrik

Letzte Änderung: 02.07.2019 16:49 Uhr