Wandern mit dem Deutschlandfunk Rückblick: Morgenbachtal bei Bingen

Sonne scheint durch einen Kiefernast, dahinter der Blick in ein Tal (Deutschlandradio/Anke Petermann)
Das Morgenbachtal liegt im Binger Wald in Rheinland-Pfalz - und ist teilweise Opfer des Klimawandels (Deutschlandradio/Anke Petermann)

Bedrohte Idylle: Binger Wald

Ausgestattet mit Rucksäcken und Wanderschuhen treffen sich an diesem Sonntagvormittag 37 Hörerinnen und Hörer des Deutschlandfunks am Hauptbahnhof Bingen unweit des Rheins. Auf der anderen Seite des Flusses liegen die Weinberge des Oberen Mittelrheintals. Aber unser Ziel sind die Hänge und Täler des Binger Waldes, der sich oberhalb des Bahnhofs erstreckt.

Mittendrin in der Wandergruppe: Axel Henke, Leiter des Forstamtes Boppard und Führer der Wanderung. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung sind SEIN Thema. Denn Henke bangt um seinen Binger Wald, dem Wetterextreme wie Starkregen und Dürren zusetzen. Steil führt der Weg anfangs durchs Tal hinauf in den Wald. Trotz Gewitterwarnung ist es sonnig und warm. Für den Deutschlandfunk wandern Anke Petermann, Landeskorrespondentin Rheinland-Pfalz, und Britta Fecke aus der Kölner Umwelt- und Verbraucherredaktion mit.

Während eines ersten Halts berichtet Forstamtsleiter Axel Henke von den wichtigsten Funktionen des Waldes in den Tälern rund um Bingen und den mittleren Oberrhein: Die dichten Eichen-, Kiefern- und Fichtenbestände schützen die Böden vor Erosion, sie speichern Wasser und verhindern Überschwemmungen und den Menschen bieten sie Erholung.

Doch bereits beim nächsten Halt wird deutlich: Die Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes sind bedroht. Vom Klimawandel und seinen teils drastischen Auswirkungen auf die Temperatur, von stärker werdenden Stürmen und einer steigenden Anzahl von Schädlingen, wie dem Borkenkäfer. So ist auch einer der bekanntesten Wanderwege des Binger Waldes, das Morgenbachtal, aufgrund von starken Sturm- und Starkregenschäden seit Jahren gesperrt. Daher führt uns unser Wanderweg auch größtenteils um das Morgenbachtal herum, und nicht direkt durch das Tal hindurch.

Henke erklärt nicht nur seinen Wald, er zeigt auch, was die Region zu bieten hat: Wunderschön die Aussicht von einer Plattform aus auf das Rheintal und die Burg Ehrenfels. Neugierig hören die meisten Hörerinnen und Hörer sich an, was den Wald gefährdet, andere schalten sich in die Diskussion ein und fragen nach. Axel Henke betont die Folgen der Trockenheit des letzten Sommers und lenkt den Blick auf die Baumkronen über uns. Eigentlich sollte hier eine dichtes Blätterdach die Sicht auf den Himmel versperren, aufgrund der Trockenheit tragen die Bäume jedoch zu wenige Blätter und so ist der blaue Himmel über ihnen klar zu erkennen. Die Folge: Die Bäume können auch weniger CO2 aufnehmen, der Wald erfüllt auch hierbei seine Speicherfunktion nur geschwächt.

Die Wanderung führt uns weiter durch den oberen Teil des Morgenbachtals und verläuft auf kleinen Pfaden – mal mehr und mal weniger steil – bergauf. In einer Lichtung sind die Sturmschäden besonders gut sichtbar. Eine Vielzahl von Fichten wurde hier durch den sogenannten ‚Windwurf‘ entwurzelt – ein großer Schaden für die Waldwirtschaft.

Bildergalerie - MorgenbachtalTreffpunkt Hbf Bingen - Start der Dlf-Wanderung rund ums MorgenbachtalAxel Henke, Leiter des Forstamts Boppard, führt die Wanderung durch den Binger WaldBlick auf das MittelrheintalBlick aufs Mittelrheintal mit WandergruppeTeile des Morgenbachtals sind gesperrt - manche laufen trotzdem auf dem unterspülten Weg weiterSturm, Dürre und Borkenkäfer zerstören den Wald von Forstamtsleiter HenkeGeschnitzte Holzgeister grinsen in der Steckschääferklamm dem Wanderer entgegenKeine Wanderung ohne Einkehr - das Schild weist den WegDer Weg zurück führt durch das satte Grün des Buchenwaldes der KreuzbachklammSportlicher Einsatz: In der Kreuzbachklamm kann auch gekraxelt werden

Nach einer gemeinsamen Stärkung im Forsthaus Heiligkreuz geht es in der letzten Etappe der Wanderung bergab durch die Kreuzbachklamm – ein steiler, gar alpin anmutender Weg entlang des Kreuzbachs, der für Wanderer durch eine Reihe von handgebauten Holzbrücken erschlossen wurde. Hier muss die Wandergruppe klettern, um entlang des steilen Berghanges ans Ziel zu gelangen.

Etwas erschöpft und zufrieden über die gemeisterte Strecke und die gesammelten Eindrücke kommt die Gruppe wieder unten im Tal am Binger Hauptbahnhof an. Es wurde deutlich: Das Morgenbachtal ist extrem vielfältig, der Wald und seine Funktionen besonders wertvoll für Mensch und Natur. Forstamtleiter Henke hat 37 Fans mehr für den Schutz des Waldes gewonnen.

Jule Reimer und Fernando Gallegos Eytel


Beitrag zum Thema:

Morgenbachtal – Zu Besuch in einem verwüsteten Tal (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 13.05.2019)


Mehr dazu:

deutschlandfunk.de/wandern
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Letzte Änderung: 02.07.2019 16:48 Uhr