Wandern mit dem Deutschlandfunk Rückblick: Unteres Saaletal

Fluss Saale mit Schloss Wettin, Wettin, Naturpark Unteres Saaletal, Sachsen-Anhalt, Deutschland, Europa | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. (picture-alliance / imageBroker)
Fluss Saale mit Schloss Wettin, Wettin, Naturpark Unteres Saaletal, Sachsen-Anhalt, Deutschland, Europa (picture-alliance / imageBroker)

An der Saale hellem Strande

Für etwa vierzig Deutschlandfunk-Hörer und Hörerinnen – mittendrin Intendant Stefan Raue – war der etwa vierstündige Ausflug im Unteren Saaletal ein Ausflug in die Idylle Mitteldeutschlands. Vor den Toren von Halle durchwanderte die Gruppe gemeinsam die dunkelrotbraun schimmernde Porphyr-Gesteinsklippenlandschaft, durch die sich sanft die Saale schlängelt. Von der Schönheit der Gegend waren schon die Romantiker um Novalis, Joseph von Eichendorf oder Ludwig Tieck berauscht. Begleitet von strahlendem Sonnenschein blieben wir immer wieder stehen, staunten über Falter wie den Hauhechelbläuling, den tropisch anmutenden Bienenfresser-Vogel und wir rochen … an der Weinrose, dem Federgras, am Mannstreu, dem Adonisröschen oder dem Steppen-Spitzkiel.

Dass wir Pflanzen und Schmetterlinge so genau zu benennen lernten, war unserer fachkundigen Begleitung zu verdanken. Stefan Klotz, Reinart Feldmann und Oliver Schweiger, drei Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Halle, führten uns anhand der Veränderungen in der Natur vor Augen, dass der Klimawandel nicht nur eine Chimäre politischer Debatten ist. Die Auswirkungen konnten die Deutschlandfunk-Wanderinnen und Wanderer auf Schritt und Tritt anschaulich beobachten.

Bildergalerie – Unteres SaaletalWanderstart in Friedeburg an der SaaleUFZ-Forscher Stefan Klotz führte die Wanderung durchs SaaletalVeronica chamaedrys - auf Deutsch Gamander-EhrenpreisWindräder überragen die Äcker im Unteren SaaletalSchmetterling in Nahaufnahme - erklärt von UFZ-Forscher Reinart FeldmannPolyommatus icarus - auf Deutsch HauhechelbläulingWeg zum Brutplatz der BienenfresserDer BienenfresserBienenfresser legen ihre Nistplätze in Abbruchkanten anBienenfresser in ihren NistplätzenHier forscht das UfZ HalleInsektenexperte Oliver Schweiger vom UFZ HalleMit dieser Falle beobachten und erfassen die UFZ-Forscher, wie sich Artenvielfalt und Bestand der Insekten in der Region entwickelnAuf dem Weg nach ThaldorfUnd am Ende der Wanderung gab es Kaffee und Kuchen in Thaldorf

Denn das Untere Saaletal liegt im sogenannten Harz-Schatten, gehört also damit zu den trockensten Regionen Deutschlands. Wo es wenig regnet, kann der noch weniger werdende Niederschlag für das Pflanzenwachstum dramatische Ausmaße annehmen. Das heißt, die Extreme schlagen stärker durch. Das Untere Saaletal ist damit eine Gegend, in der durch den Klimawandel alte Arten verdrängt werden und sich im Gegenzug neue Arten ansiedeln, die aus wärmeren oder trockeneren Gebieten kommen wie der eigentlich in Südosteuropa heimische Bienenfresser. Das beeinflusst die Wechselbeziehungen in den Ökosystemen. Die Biodiversität im Unteren Saaletal droht sich viel drastischer und schneller zu verändern als es bisher auf natürlichem Weg geschah. Das gefährde das ökologische Gleichgewicht, warnen die Umweltforscher vom Hallenser Helmholtz-Zentrum.

Für viele der Mitwanderinnen und Wanderer waren diese Folgen der Klimaveränderung in dieser Deutlichkeit neu. Weshalb Nachfragen auch nicht ausblieben. Und nach zwei Stunden war die Gruppe auch bedingt durch das sonnig-heiße Wetter so erschöpft, dass sich alle dankbar am Rand eines Wintergerstenfeldes niederließen. Es sah aus wie in einem Impressionisten-Gemälde.

Am Ziel angekommen waren sich alle einig: Noch summt und blüht es im Unteren Saaletal. Damit es jedoch so bleibt, müsste sich einiges ändern. Als Erstes, so sagen die Umweltforscher vom UFZ, müsse man weg kommen von der großflächigen Landwirtschaft und Hecken, Blühstreifen, Gebüsch und Streuobstwiesen wieder rekultivieren. Damit sich auch noch unsere Kinder an der Schönheit des Unteren Saaletals laben können.

Persönlich muss ich sagen: Als Korrespondent war ich mehr als erstaunt, mit welchem Vor-Wissen und Interesse die Hörerinnen und Hörer – von der Schülerin bis zum Rentner – zu unserer Wanderung kamen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu diskutieren. Am Ende des Ausflugs gab es Tee, Kaffee und Kuchen. Und den Wunsch: So eine Wanderung mit so fachkundiger Begleitung schnellstens zu wiederholen.

Christoph Richter (Landeskorrespondent Sachsen-Anhalt)


Beitrag zum Thema:

Klimaerwärmung – Gefahr für die Artenvielfalt im Saaletal (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 20.05.2019)


Mehr dazu:

deutschlandfunk.de/wandern
deutschlandradio.de/denkfabrik

Letzte Änderung: 02.07.2019 16:48 Uhr