Wenn das Insolvenzgeld ausgeht

Wie steht es um die Zukunft der Frankfurter Rundschau?

Von Anke Petermann

Die Frankfurter Rundschau: "Die Zukunft ist nicht rosig." (dpa / picture alliance / Frank Rumpenhorst)
Die Frankfurter Rundschau: "Die Zukunft ist nicht rosig." (dpa / picture alliance / Frank Rumpenhorst)

Noch ist der Betrieb bei der "Frankfurter Rundschau" durch das Insolvenzgeld abgesichert. In Kürze droht der Zeitung die endgültige Zahlungsunfähigkeit und den derzeit mehr als 400 Mitarbeitern die Arbeitslosigkeit. Ob und wie es in dem Verlagshaus weitergeht, ist unklar.

"Sonderverkauf" verkündet der Werbe-Aufsteller vorm FR-Stammsitz im umgebauten Straßenbahndepot Sachsenhausen. Das bezieht sich allerdings nicht auf die Frankfurter Rundschau, die dringend einen zahlungskräftigen Retter sucht, sondern auf Kaffeetassen im FR-Shop. Der bleibt wegen der Betriebsversammlung an diesem verschneiten, grauen Nachmittag geschlossen. Verdi-Gewerkschafter schaffen die Werbetafel beiseite, um zur Halbzeit der Versammlung einen Lastwagen vorm historischen Depot zu parken, als mobile Bühne für eine kleine Kundgebung. Noch haben die FR-Hauptgesellschafter nicht zugesagt, den Insolvenzprozess sozial abzufedern, wettert vom LKW Betriebsratschef Marcel Bathis.

"Und das ist eine Sauerei und wir werden sie auch nicht loslassen …" Bravo Applaus

Nach der Kundgebung formuliert Bathis gesetzter:

"Wir sehen die beiden Gesellschafter M. DuMont Schauberg in Köln und die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, die Medienholding der SPD, in der Pflicht, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden und der Belegschaft einen Sozialplan und eine Transfergesellschaft zu finanzieren."

Am 29. Januar will der Betriebsrat mit den Gesellschaftern in Berlin darüber verhandeln. Von Sozialplan, Transfergesellschaft und Abfindungen ist an diesem trüben Nachmittag ziemlich oft die Rede. Muss man daraus ableiten, dass der Betriebsrat die FR schon tot glaubt?

"Sie können es so deuten, dass erhebliche Teile der Belegschaft ihren Arbeitsplatz verlieren werden, unabhängig davon, ob die Frankfurter Rundschau als Zeitung gerettet wird, durch welchen Investor auch immer. Also mindestens in der Druckerei wird es sehr blutig werden, weil Axel Springer die Aufträge gekündigt hat und die Druckerei so in diesem Umfang gar nicht mehr aufrecht erhalten kann."

250 Drucker in Neu-Isenburg sind nämlich zu viel, wenn Springer dabei bleibt, Teile der Auflage von "Bild" und "Welt" anderswo in Rhein-Main drucken zu lassen, um, wie der Verlag begründet, deren Erscheinen "sicherzustellen". Die Hälfte des Umsatzes hat die Druckerei damit verloren. Die flammenden Appelle des Betriebsrats an Springer, ein verbessertes Angebot noch mal zu überdenken - vermutlich zwecklos, argwöhnt der Drucker Alexander Herchet. Gemeinsam mit Kollegen aus Neu-Isenburg ist er mit dem Reisebus zur Betriebsversammlung gekommen.

"Ich glaub nicht daran, dass der Springer noch mal zurückkommt. Deshalb glaube ich auch nicht daran, dass es mit dem Druck- und Verlagshaus weitergeht. Das würde für mich heißen: arbeitslos. Die Zukunft ist nicht rosig."

Viel Hoffnung kann der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Schmitt der Belegschaft in Druck, Verlag und Redaktion auch nicht machen. Zwar gebe es Interessenten für jeden Bereich und auch für das Gesamtpaket, aber:

"Mir liegt nichts vor an konkreten Angeboten seitens der Investoren, mit denen wir momentan sprechen."

Zwei namhafte seien schon wieder abgesprungen wird kolportiert. "Kein Kommentar", kontert Frank Schmitt. Redakteurin Friederike Tinnappel glaubt noch an den Retter für die Zeitung, für die sie seit mehr als 30 Jahren schreibt - einfach weil sie sich damit besser fühle.

"Und man kann den Gesellschaftern auch erstmal gar keinen Vorwurf machen, denn sie haben viele Millionen hier hineingesteckt. Den Vorwurf, den wir ihnen jetzt machen, ist, uns sozusagen wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen."

Tinnappel verschwindet wieder ins historische Depot, die Betriebsversammlung geht weiter. "Es zerrt an den Nerven", sagt drinnen der vorläufige Insolvenzverwalter, aber dass potentielle Investoren bis zum letzten Moment pokerten, sei normal. Und wenn einer noch am 30. Januar ein neues Angebot einreiche, werde er auch darüber verhandeln. Wahrscheinlich sei, dass die Frankfurter Rundschau auch im Februar noch gedruckt werde. Beruhigen kann der Rechtsanwalt die Belegschaft damit nicht.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr