Startseite > _Archiv > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 12.05.2013

Westerwelle verurteilt "barbarischen Terrorakt" in der Türkei

Zahl der Toten auf 46 gestiegen

Ein Bild der Verwüstung: Reynali nach den Bombendetonationen (picture alliance / dpa / Cem Genco/Anadolu Agency)
Ein Bild der Verwüstung: Reynali nach den Bombendetonationen (picture alliance / dpa / Cem Genco/Anadolu Agency)

Außenminister Guido Westerwelle empfing in Berlin seinen türkischen Amtskollegen Ahmet Davutoglu und verurteilte den Doppelanschlag scharf. Am Samstag waren in der Stadt Reyhanli nahe der syrischen Grenze zwei Autobomben explodiert. Die Behörden haben neun Verdächtige festgenommen. Sie sollen Verbindungen zum syrischen Geheimdienst haben.

Deutschland stehe in dieser schweren Stunde an der Seite der Türkei, unterstrich Westerwelle. Die Täter müssten zur Verantwortung gezogen werden. Der türkische Außenminister Davutoglu dankte für die internationale Anteilnahme. Er warnte, dass Sicherheitsrisiken in der Region zunähmen. Wie in der Türkei lebten auch in Jordanien Tausende syrische Flüchtlinge. Er forderte den UN-Sicherheitsrat auf, Position zur Lage zu beziehen.

Auf einer Pressekonferenz in der Türkei hatte der Vize-Premierminister Besir Atalay erklärt, die Verdächtigen hätten allesamt Verbindungen zum syrischen Geheimdienst. Zuzeit befänden sie sich zu Verhören in Polizeigewahrsam. Es gebe bereits Geständnisse.

Reyhanli liegt acht Kilometer von einem wichtigen Grenzübergang zu Syrien entfernt. Dort explodierten am Samstag die zwei Autobomben. Nach jüngsten Zahlen starben mindestens 46 Menschen, 140 weitere seien verletzt worden. Für die Regierung in Ankara scheint klar: Hinter den Anschlägen steckt das Assad-Regime in Damaskus.

Türkei beschuldigt Syrien

Türkische Regierungspolitiker vermuten, dass die Drahtzieher des Anschlags am Samstag dieselben sind wie die eines Anschlags in der syrischen Hafenstadt Banias vor einer Woche. Dort hatten Assad-Anhänger Oppositionsangaben zufolge 62 Menschen getötet.

Die Attentäter von Reyhanli hätten Kontakte zum syrischen Geheimdienst, zitierten türkische Medien Vizeregierungschef Besir Atalay. Die Organisation der Täter und ihre Hintermänner seien weitgehend bekannt.

Das syrische Informationsministerium wies eine Verwicklung in den Anschlag in Reyhanli zurück, wie unser Korrespondent Björn Blaschke im DLF berichtet. Informationsminister Omran al-Sohbi erklärte auf einer Pressekonferenz in Damaskus, sein Land habe die Tat "nicht begangen und würde sie auch niemals begehen". Das liege nicht etwa daran, dass Damaskus dazu nicht in der Lage wäre. "Unsere Werte erlauben uns so etwas nicht."

Unweit des Flüchtlingsstroms

Die Anschläge sind der bislang schwerste Zwischenfall an der türkisch-syrischen Grenze seit Beginn des syrischen Aufstandes gegen Präsident Assad vor gut zwei Jahren. Die Türkei unterstützt die syrischen Rebellen und hat bereits Tausende Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Reyhanli ist nicht weit entfernt vom Grenzübergang Cilvegözü, über den viele Flüchtlinge kommen.

Zwischen der Türkei und Syrien war es in den vergangenen Monaten mehrfach zu Spannungen gekommen. Die Türkei wirft dem Nachbarland vor, die Grenze zur Türkei nicht zu respektieren. Nach Bombeneinschlägen wurden NATO-Bündnispartner zur Verteidigung aktiviert. Um mögliche syrische Raketenangriffe abzuwehren, sind auch deutsche Soldaten mit Patriot-Systemen in der Südtürkei stationiert. Das Ausmaß des jüngsten Anschlags hatten alle vorhergehenden Zwischenfälle bisher aber nicht.

Internationale Bestürzung

Die Bombenanschläge haben weltweit Bestürzung ausgelöst. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte nach Angaben eines Sprechers, er verurteile "alle terroristischen Taten". "Kein Grund oder Missstand kann jemals Angriffe auf Zivilisten rechtfertigen." US-Außenminister John Kerry sprach in Washington von "schrecklichen Nachrichten". Die USA stünden an der Seite "unseres Verbündeten, der Türkei".

Auch die syrische Opposition verurteilte die Attentate. Die Terroristen hätten offenbar das Ziel, einen Keil zwischen Syrer und Türken zu treiben. Gleichzeitig riefen syrische Aktivisten über den Kurznachrichtendienst Twitter die in Reyhanli lebenden Flüchtlinge auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Es seien Übergriffe auf Syrer im Grenzgebiet zu erwarten.




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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr