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Wieder Gewalt in Kenia

Kilometerlange Schlangen vor den Wahllokalen

Menschen in Nairobi geben ihre Stimme ab (picture alliance / dpa / Felix Dlangamandla)
Menschen in Nairobi geben ihre Stimme ab (picture alliance / dpa / Felix Dlangamandla)

Kein einfacher Wahltag für Kenia: Erneut wurde die Abstimmung von Gewalt begleitet. Mindestens 15 Menschen starben. Die heutigen Wahlen waren die ersten seit den blutigen Unruhen nach der Präsidentenwahl von 2007. Damals kamen mehr als tausend Menschen in dem afrikanischen Land ums Leben.

Bei Bandenüberfällen wurden nach Polizeiangaben diesmal mindestens neun Sicherheitskräfte und sechs Angreifer getötet. Zwischenfälle wurden etwa aus der Küstenstadt Mombasa gemeldet. Mehrere Polizisten waren offenbar in einen Hinterhalt geraten und von rund 200 mit Schusswaffen sowie Pfeil und Bogen bewaffneten Jugendlichen angegriffen worden. Die örtliche Polizei macht die separatistische Gruppe "Mombasa Republican Council" (MRC) für den Angriff verantwortlich, diese dementierte jedoch, etwas mit dem Vorfall zu tun zu haben. Die Gruppe hatte im Vorfeld angekündigt, die Wahlen behindern zu wollen. 400 weitere Polizisten wurden zwischenzeitlich von Nairobi nach Mombasa entsandt.

EU-Wahlbeobachter äußern sich positiv

Insgesamt verlief die Abstimmung nach Angaben von EU-Wahlbeobachtern allerdings weitgehend friedlich. Vor den Wahllokalen hatten sich im Verlauf des Tages kilometerlange Schlangen gebildet. In einigen Bezirken wurde die Frist zur Abgabe der Stimmen daher verlängert. Die internationale Gemeinschaft hofft für das Land, dass diesmal schwere Unruhen nach der Wahl ausbleiben.

Gewalt erinnert an Ausschreitungen vor fünf Jahren

Denn die neue Gewalt ruft bei vielen Erinnerungen an die Wahl 2007 wach. Vor fünf Jahren hatte es nach der Abstimmung wochenlang Unruhen gegeben, bei denen mehr als tausend Menschen starben und 600.000 Menschen vertrieben wurden.

Der Wahlbeobachter Heiko Meinhardt sagte, die Kenianer wollten der Welt und sich selbst zeigen, dass sie die Wahlen friedlich gestalten könnten. Der "Brot für die Welt"-Mitarbeiter erklärte im Deutschlandfunk, bei den Gewalttätigen handele es sich um nicht-verfassungsgemäße Kräfte, nicht um Wähler, so Meinhardt.

Präsidentschaftskandidat Uhuru Kenyatta sowie sein Vize-Kandidat William Ruto müssen sich ab April vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag für eine Beteiligung an den Ausschreitungen verantworten. Sie sollen zu Morden, Vergewaltigungen und Vertreibungen angestiftet haben. Juristische Hürden für die Teilnahme der Angeklagten Kenyatta und Ruto an der diesjährigen Wahl wurden von einem Gericht im Februar beseitigt.

Knapper Ausgang erwartet

14 Millionen Kenianer waren wahlberechtigt. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Premierminister Raila Odinga und Vize-Regierungschef Uhuru Kenyatta erwartet. Amtsinhaber Mwai Kibaki durfte nach zwei Amtszeiten kein weiteres Mal antreten. Erreicht keiner der Bewerber die absolute Mehrheit, gibt es Anfang April eine Stichwahl. Ein amtliches Endergebnis wird es erst in einigen Tagen geben.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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