Winnenden - ein Jahr nach dem Amoklauf

Hinterbliebene gedenken der Toten

Bundespräsident Horst Köhler (Mitte) spricht  während der Gedenkfeier mit den Anwesenden. (AP)
Bundespräsident Horst Köhler (Mitte) spricht während der Gedenkfeier mit den Anwesenden. (AP)

Im baden-württembergischen Winnenden haben am ersten Jahrestag Tausende Menschen der Opfer des Amoklaufs gedacht. Bei der öffentlichen Gedenkfeier an der Albertville-Realschule drückte Bundespräsident Köhler seine Anteilnahme und Betroffenheit aus. Köhler mahnte, Konsequenzen aus der Tat zu ziehen.

Um schwere Verbrechen wie einen Amoklauf künftig möglichst zu verhindern, seien auch die Medien gefordert. Man brauche klar definierte Regeln für die Berichterstattung sowie einen medienübergreifenden Pressekodex im Geist der Prävention. Köhler betonte, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass detaillierte Medienberichte über die Täter Nachahmer auf den Plan riefen. Am 11. März 2009 hatte ein damals 17-Jähriger mit der Waffe seines Vaters 15 Menschen und sich selbst erschossen. 13 Menschen - Schüler, Lehrer, Polizisten - wurden teils schwer verletzt.

Unterdessen hält die Debatte über die nach dem Amoklauf beschlossene Reform des Waffenrechts an. Bereits wenige Monate nach der Tat hatten sich einige betroffene Angehörige zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen. Sie kämpfen unter anderem dafür, den Zugang zu Waffen weiter zu erschweren.

Der SPD-Innenpolitiker Fritz Rudolf Körper kritisierte, dass die vereinbarten unangemeldeten Kontrollen bei Waffenbesitzern wegen Personalmangels kaum stattfänden. Er fügte hinzu, leider habe die Waffenlobby nach dem Amoklauf von Winnenden vor einem Jahr schärfere Bestimmungen durch teils massive Einflussnahme verhindert.

Dagegen meinte der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach in der "Mitteldeutschen Zeitung", die Änderung habe einen deutlichen Sicherheitsgewinn gebracht. Dadurch sei das Bewusstsein dafür geschärft worden, dass Waffen gerade zu Hause sicher aufbewahrt werden müssen, sagte der CDU-Politiker.

Zettel mit den Worten "Keine Presse und Gegen Paparazzi" sind in Winnenden in den Fenstern einer Nachbarschule der Albertville-Realschule in Winnenden zu sehen. (AP)"Keine Presse" (AP)

Presseverbot in Winnenden

Es sei wichtig, dass die Kinder in ihrer Trauer am Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden geschützt werden, sagt der Traumapsychologe Thomas Weber. Deswegen habe man für den Jahrestag der Tat ein Presseverbot über die Stadt verhängt. Der Psychologe Jens Hoffmann bemängelt, dass nicht jede Schule ein ausgebildetes Krisenteam für den Fall eines Amoklaufs hat. Zwar gebe es an vielen Bildungseinrichtungen bereits Notfallregeln, die Schulen übernähmen jedoch zu wenig Eigenverantwortung bei der Krisen-Fortbildung von Lehrern.

Nichts ist mehr, wie es war

Seit dem Amoklauf gilt in Winnenden ein anderes Zeitmaß: die Zeit vor - und nach dem 11. März 2009. Es gibt auch eine neue Einordnung, wenn es darum geht, die Menschen in der schwäbischen Kleinstadt zu beschreiben: Betroffene und Nicht-Betroffene. Was hat sich tatsächlich seitdem geändert bei Menschen, Politik, Polizei und Medien?

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:35 Uhr