"Wir sind Kirche" hofft auf mehr Ökumene

97. Katholikentag beginnt in Osnabrück

Der 97. Deutsche Katholikentag findet in Osnabrück statt. (AP)
Der 97. Deutsche Katholikentag findet in Osnabrück statt. (AP)

In Osnabrück hat der 97. Deutsche Katholikentag begonnen. Unter dem Motto "Du führst uns hinaus ins Weite" sind bis Sonntag etwa 1200 Veranstaltungen geplant. Die Organisatoren rechnen mit mehr als 60.000 Besuchern. Erwartet werden auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Horst Köhler und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, rief zu mehr Zuversicht in der Gesellschaft auf. Gott mache Mut, die Chancen der Zukunft zu erkennen und die Krisen zu bewältigen, sagte Meyer zur Eröffnung des Katholikentages.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff warnte vor der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und forderte mehr Solidarität. In einem Grußwort ermutigte Papst Benedikt XVI. die Gläubigen, sich aktiv in aktuelle Debatten einzumischen.

Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" äußerte vor Beginn die Hoffnung, dass vom Katholikentag in Osnabrück neue Impulse für die Ökumene ausgehen werden. Durch Äußerungen aus Rom sei in den vergangenen Jahren "leider viel Störfeuer gesendet worden", sagte Christian Weisner von "Wir sind Kirche".

Vor der Eröffnung des Katholikentages in Osnabrück hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, die katholische Mission verteidigt. Mission sei generell Ziel der Kirchen. Zugleich gestand Zollitsch "jeder Religion, jeder Religionsgemeinschaft" das Recht zu, zu missionieren.

Nach der umstrittenen Karfreitagsfürbitte des Papstes räumte Zollitsch jedoch ein, dass dadurch Irritationen entstanden seien. "Mir liegt sehr viel an einem guten Verhältnis zu den jüdischen Mitbürgern", sagte Zollitsch. (Text / MP3-Audio)

Von gesetzt bis turbulent


Der erste Katholikentag fand 1848 statt. Besonders viel Zulauf hatten die Treffen zur Zeit der Weimarer Republik. Zur Nazizeit wurden sie verboten. Nach Ansicht des Publizisten Hajo Goertz sei der Katholikentag 1968 der turbulenteste gewesen. Man habe dort in Bezug auf den damaligen Bischof von Essen skandiert: "Hengsbach, wir kommen, wir sind die linken Frommen!" (Text)

"Wenn es Katholikentage nicht gäbe - man müsste sie erfinden". Der Satz stammt von Hans Maier, dem ehemaligen Präsidenten des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken. Die aktuellen Anmeldezahlen für den 97. Katholikentag in Osnabrück bestätigen Maiers Sicht. (Text)

Amtliche Kirchenvertreter und Funktionäre reden seit geraumer Zeit gerne von einer Renaissance der Religion. Ob die Kirchen davon profitieren, wird allerdings vielfach und ernsthaft in Frage gestellt. Eine wichtige Rolle im Gemeindealltag der Kirchen spielen vielerorts die Laien, die in der Sendung "Hintergrund" (Deutschlandfunk) im Mittelpunkt stehen. (Text)

Katholikentagefinden in der Regel alle zwei Jahre im Wechsel mit den Evangelischen Kirchentagen statt.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:29 Uhr