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Wirtschaftsnobelpreis für US-Ökonomen

Alvin Roth und Lloyd Shapley für Entscheidungs-Analysen geehrt

Das schwedische Nobelkomitee präsentiert mit den US-Forschern Alvin Roth und Lloyd Shapley die Gewinner des Wirtschaftspreises (picture alliance / dpa / Henrik Montgomery)
Das schwedische Nobelkomitee präsentiert mit den US-Forschern Alvin Roth und Lloyd Shapley die Gewinner des Wirtschaftspreises (picture alliance / dpa / Henrik Montgomery)

Der sogenannte Wirtschaftsnobelpreis geht in diesem Jahr an die Ökonomen Alvin E. Roth und Lloyd S. Shapley (beide USA). Damit sollen ihre Erkenntnisse im Bereich der Spieltheorie geehrt werden, gab das Karolinska-Institut in Stockholm bekannt.

<p>Die US-Ökonomen Alvin E. Roth und Lloyd S. Shapley werden vom Nobelkomitee für ihre spieltheoretische Forschung ausgezeichnet. Sie analysieren, wie verschiedene Akteure auf bestmögliche Weise zusammengebracht werden können, damit ein gesamtgesellschaftlich sinnvolles Ergebnis herauskommt. Roth beschäftigte sich unter anderem mit Spenderprogrammen für Nieren. Handelsblatt-Wirtschaftskorrespondent Olaf Storbeck <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/10/15/dlf_20121015_1348_0eba28d8.mp3" title="Bericht aus "Wirtschaft am Mittag", Deutschlandfunk (MP3-Audio)">erklärte im Deutschlandfunk-Interview</a>, dass Roths Ideen für sinnvollere Marktgestaltung bereits in manchen Bereichen, etwa der Zuordnung von Spendern und Empfängern, eingesetzt würden. Lloyd Shapley entwickelte ein nach ihm benanntes Modell, mit dem mehrere Individuen ("Spieler" in der Sprache der Spieltheorie) die Vor- und Nachteile einer einfachen Entscheidung errechnen können. <br /><br /></p><p><strong>Alltagsprobleme in simple Modelle übersetzt</strong></p><p>Die Spieltheorie ist ein Zweig der Wirtschaftswissenschaft, der sich mit den Wechselwirkungen menschlicher Entscheidungen befasst. Ihr wohl bekanntestes Beispiel ist das sogenannte Gefangenendilemma, in dem zwei Banditen die Hauptrolle einnehmen. Sie haben gemeinsam ein Verbrechen begangen, werden verhaftet, aber einzeln verhört. Jeder hat zwei Möglichkeiten: gestehen oder schweigen. Am vorteilhaftesten für beide wäre es, wenn sie in den Verhören "dicht hielten" und gar keine belastenden Aussagen träfen. Aber sowohl Bandit A wie auch Bandit B haben Angst, dass der jeweils andere auspackt, um sich vielleicht einen egoistischen Vorteil zu verschaffen. Am Ende ist das wahrscheinliche Ergebnis: Beide gestehen die Tat, beide werden verurteilt.<br /><br /><papaya:media src="b18d5e6bcffc55d8e21b2d2823c1a11f" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="&quot;Grün&quot; heißt Zusammenarbeit, das wahrscheinlichere &quot;Rot&quot; Egoismus. Dies ist das simpelste Diagramm der Spieltheorie, Lernstoff des ersten Semesters" popup="yes" />Was sich in der Theorie ein bisschen nach leichtfüßigen Szenarien wie im Kinderspiel "Schnick, Schnack, Schnuck" anhören mag, ist bei näherer Betrachtung ein sehr alltagsbezogener Ansatz. Denn in vielen Bereichen entscheiden sich einzelne Menschen anders, als sie es nach gemeinschaftlicher Abstimmung tun würden. Beispiel Klimaschutz: Abgasfilter an jedem Schornstein der Welt würden zweifelsfrei zu einem Vorteil für die Umwelt und damit für jedes Individuum führen. Solange jeder Fabrikbesitzer aber in seiner privaten Kalkulation günstiger damit fährt, sich das Geld für einen Filter zu sparen, kommt in der Summe ein Ergebnis heraus, dass die Ökonomen "nicht-optimal" nennen.<br /><br />Im vergangenen Jahr hatten die <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="70670" text="US-Ökonomen Christopher Sims und Thomas Sargent" alternative_text="US-Ökonomen Christopher Sims und Thomas Sargent" /> die Auszeichnung erhalten. Sie hatten Methoden entwickelt, um herauszufinden, wie der Staat mit Konjunkturpolitik die Gesamtwirtschaft beeinflussen kann. Dabei geht es um das Wechselspiel von Inflation, Zinsen und Arbeitslosigkeit.<br /><br /></p><p><strong>Kontroverse um Gleichwertigkeit</strong></p><p>Der Wirtschaftsnobelpreis heißt eigentlich "Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel". Er ist zwar als die begehrteste Auszeichnung in den Wirtschaftswissenschaften angesehen. Umstritten ist aber, ob der seit 1969 geehrte Preisträger auf Augenhöhe mit <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="203517" text="den anderen Laureaten" alternative_text="den anderen Laureaten" /> steht. Der Wirtschaftsnobelpreis geht als einziger nicht auf das Testament des Namensgebers Alfred Nobel zurück. Seine Nachfahren legten Dokumente vor, in denen Nobel solch einen Preis ausdrücklich nicht wünscht.<br /><br />Das Preisgeld wurde in diesem Jahr von der Nobelstiftung unter Hinweis auf die Finanzkrise um 20 Prozent auf acht Millionen Schwedische Kronen gekürzt (derzeit rund 930.000 Euro). Alle Preise werden am 10. Dezember überreicht, dem Todestag von Alfred Nobel. Die <papaya:link href="http://nobelprize.org/" text="Nobelpreise" title="Offizielle Seite für den Nobelpreis" target="_blank" /> sollen laut Testament an diejenigen gehen, die in ihrem Forschungsfeld "im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben".</p>

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr