Zahl der Arbeitslosen sinkt leicht

Bundesagentur-Chef Weise: Arbeitsmarkt fehlt Dynamik

BA-Chef: "Vermittlungschancen für Arbeitslose geringer geworden" (dpa / Jens Wolf)
BA-Chef: "Vermittlungschancen für Arbeitslose geringer geworden" (dpa / Jens Wolf)

Die Zahl der Arbeitslosen hat in Deutschland im Oktober den niedrigsten Stand seit knapp einem Jahr erreicht. Die Herbstbelebung fiel aber diesmal schwächer aus als üblich. Einen Monat nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres gibt es zudem noch 21.000 Jugendliche ohne Lehrstelle.

Die Zahl der Arbeitslosen fiel auf 2,801 Millionen - das sind 48.000 weniger als im September, aber 48.000 mehr als im Oktober 2012, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. "Allerdings fiel der Rückgang moderat aus", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Die Arbeitslosenquote sank im Monatsvergleich von 6,6 auf 6,5 Prozent.

Arbeitsagentur rechnet nicht mit größeren Veränderungen

Weise sieht derzeit keine Dynamik am deutschen Arbeitsmarkt. Beschäftigte hätten damit ein geringes Risiko, ihre Arbeit zu verlieren. Doch "gleichzeitig sind die Vermittlungschancen für Arbeitslose geringer geworden", erklärte der BA-Chef in Nürnberg. Ein stabiler Arbeitsmarkt sei zwar gut. "Aber ein dynamischer Arbeitsmarkt muss unser Ziel sein", fügte er hinzu.

Für die kommenden drei Monate rechnet Weise mit keinen größeren Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. "Die Kurzarbeit entwickelt sich unauffällig, und auch die Zahl jener, die frühzeitig Arbeit suchen, verändert sich kaum noch." Arbeitsmarktforscher der BA erwarten erst bei stärkerem Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr eine etwas kräftigere Belebung.

Noch 21.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Die Bundesagentur für Arbeit hat heute auch ihre Jahresbilanz zum Ausbildungsstellenmarkt 2013 vorgelegt. Die Entwicklung hier sei ungünstiger als in den beiden Vorjahren, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. "Es ist schwieriger geworden, Bewerber und Ausbildungsstellen zusammenzubringen." 33.500 Ausbildungsstellen waren demnach Ende September noch unbesetzt, 300 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig hatten 21.000 Bewerber noch keine Lehrstelle gefunden. Das entspreche einem Anstieg von 5400 Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz. Im sechsten Jahr in Folge gebe es damit einen Stellenüberhang.

Die Ausbildungsplatzsituation unterscheide sich sehr stark regional: Im statistischen Durchschnitt kommen in diesem Jahr 1,19 Bewerber auf eine Lehrstelle. "In einigen Regionen wie in Teilen Nordrhein-Westfalens, in Berlin und Teilen Hessens ist das Verhältnis sogar noch ungünstiger", sagte Becker. "Dagegen haben manche Betriebe in Bayern, an der Ostseeküste und in Teilen Sachsens inzwischen Probleme, noch Auszubildende zu finden."

"Früher galt die Faustregel, dass bei guter Konjunktur auch die Zahl der Ausbildungsverträge steigt. Das gilt heute leider nicht mehr", beklagte Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Dass zugleich Lehrstellen unbesetzt blieben, gelte vor allem für die Branchen, die für ihre schlechten Ausbildungsbedingungen bekannt seien.

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Letzte Änderung: 31.10.2013 23:12 Uhr