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ZDF: Deutsche Panzer gegen aufständische Kurden

Filmaufnahmen belegen Einsatz von alten NVA-Panzern

Für die Zukunft schließt die Türkei neue Panzerlieferungen aus Deutschland nicht aus. Hier: Ein Leopard 2- Panzer (AP)
Für die Zukunft schließt die Türkei neue Panzerlieferungen aus Deutschland nicht aus. Hier: Ein Leopard 2- Panzer (AP)

Nach Informationen der ZDF-Sendung "Frontal 21" setzt die Türkei deutsche Schützenpanzer gegen aufständische Kurden ein. Heimliche Kameraaufnahmen in der osttürkischen Provinz Sirnak zeigen Panzer des Typs BTR 60, die aus Beständen der ehemaligen Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR stammen. Die Bundeswehr hatte die Panzer übernommen und der Türkei in den neunziger Jahren überlassen.

Insgesamt hatte die Türkei damals 300 Schützenpanzer, rund 300.000 Kalaschnikow-Sturmgewehre, Lastwagen und Munition erhalten. Bedingung für das Geschäft war die Zusage der Türkei, die Waffen nur zur Landesverteidigung zu nutzen und sie nicht gegen Kurden einzusetzen. In der Vergangenheit hatte es aber immer wieder Zeugenaussagen gegeben, die von Verstößen gegen diese Auflage berichteten.

Jetzt berichtet das ZDF-Magazin, der Militärhistoriker und ehemalige NVA-Panzerkompaniechef Jörg Siegert habe bestätigt, die in den vergangenen Tagen heimlich gefilmten Fahrzeuge stammten zweifelsfrei aus deutschen Beständen. Dies sei an Karosseriemerkmalen wie den NVA-typischen Abstandsleuchten und den von der Bundeswehr nachträglich montierten Spiegel zu erkennen. Das Verteidigungsministerium will die Angaben prüfen.

Türkei interessiert an "Leopard 2"

Die Türkei hat laut Bundesregierung seit längerem Interesse an überschüssigen deutschen Kampfpanzern der Marke "Leopard 2". Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte vergangene Woche erklärt, die Türkei erwäge den Kauf gebrauchter Panzer oder neuer Panzer der Firma Krauss-Maffei Wegmann. Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte der "Financial Times Deutschland", zurzeit stehe eine Lieferung deutscher Panzer an Ankara nicht auf der Tagesordnung, ein Kauf zu einem späteren Zeitpunkt sei aber möglich. Außerdem arbeite die Türkei an der Entwicklung eines eigenen Panzers. Deshalb sei es möglich, dass es in Zukunft eine Zusammenarbeit mit deutschen Rüstungsbetrieben geben könnte.

Wegen der Menschenrechtslage hatten in der Vergangenheit besonders die Grünen Panzergeschäfte mit der Türkei abgelehnt. Vor fünf Jahren war es deswegen zu einer Krise in der rot-grünen Koalition gekommen. Mittlerweile hat die Partei ihre Position aufgrund der verbesserten Menschenrechtslage in der Türkei verändert. Vergangene Woche schloss die Grünen-Spitze eine Zustimmung zu dem Export nicht von vorneherein aus.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:07 Uhr

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