Zehntausende vor Kämpfen im Kongo auf der Flucht

Hilfswerk warnt vor humanitärer Katastrophe

Flüchtlinge im Kongo auf der Flucht (picture alliance / dpa / Alain Wandimoyi)
Flüchtlinge im Kongo auf der Flucht (picture alliance / dpa / Alain Wandimoyi)

Der dritte Kongokrieg droht erneut aufzuflammen. Die Kämpfe im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo weiten sich aus, auch auf das Nachbarland Ruanda. Das Kinderhilfswerk World Vision warnt vor einer humanitären Katastrophe.

Im Kongo tobt seit 1994 mit vielen Unterbrechungen ein unübsichtlicher Bürgerkrieg mit verschiedenen Akteuren. Den jüngsten dritten Kongokrieg hatten die Tutsi-Rebellen nach internem Streit vor mehr als drei Jahren für beendet erklärt. Ehemalige Kämpfer der Tutsi-Kaste - infolge eines Friedensabkommens zeitweise in die Armee eingegliedert - schlossen sich in der Miliz "M23" zusammen und kämpfen für Friedensverhandlungen.

Diese "Bewegung 23. März" geht seit Monaten gewaltsam gegen Regierungstruppen und UN-Blauhelmsoldaten vor. Die Gefechte haben nun die Millionenmetropole Goma erreicht. Mitarbeiter von internationalen Hilfsorganisationen berichten von Granateinschlägen und Artilleriefeuer. Die Rebellen stellten der Regierung ein Ultimatum, bis morgen der Aufnahme von Friedensgesprächen zuzustimmen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind zehntausende Menschen auf der Flucht. In der Region ist seit über zehn Jahren die größte UN-Friedensmission stationiert.

Das Kinderhilfswerk World Vision warnt wegen der Eskalation der Kämpfe vor einer humanitären Katastrophe. Der Vormarsch der M23-Rebellen sei selbst mit dem Einsatz von Kampfhubschraubern und schweren Waffen wenige Kilometer vor Goma nicht gestoppt worden. Bis zu 17.000 Menschen hätten ein Flüchtlingslager verlassen müssen und benötigten dringend Hilfe. Viele Kinder seien von ihren Eltern getrennt worden, erklärte die Organisation.

Angriff auf Ruanda

Gestern hatte der UN-Sicherheitsrat die Angriffe der Rebellen verurteilt. Beobachter werfen Ruanda, Uganda und Burundi vor, die Aufständischen zu unterstützen. Die Länder bestreiten das. Hintergrund ist der Konflikt zwischen Hutu und Tutsi. Bis zu eine Million Tutsi wurden bei Massakern 1994 getötet.

Ruanda warf der kongolesischen Armee einen absichtlichen Angriff ruandischen Territoriums vor. Truppen des Nachbarlandes hätten Ruanda "vorsätzlich bombardiert", sagte ein ruandischer Armeesprecher. Drei Menschen seien verletzt worden. Bei dem Angriff seien ein Panzer und Mörsergranaten eingesetzt worden.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr