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Zweifel an Bergung der Asse-Atomfässer

SPD-Chef Gabriel verlangt Klarheit von Bundesregierung

Undatierte Aufnahme aus dem Atomschacht Asse (dpa / Schachtanlage Asse)
Undatierte Aufnahme aus dem Atomschacht Asse (dpa / Schachtanlage Asse)

Der Atommüll im Salzbergwerk Asse soll geborgen werden - doch die formale Klärung kommt nicht voran. Ein Berater des Bundesumweltministeriums zweifelt an der Bergung der radioaktiven Fässer. SPD-Chef Sigmar Gabriel fordert eine Klarstellung der Bundesregierung über die Zukunft des Lagers.

Im Salzbergwerk Asse nahe Wolfenbüttel lagern rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall. Der frühere Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und das Bundesamt für Strahlenschutz hatten sich im Januar 2010 dafür ausgesprochen, wegen Einsturzgefahr und drohender Verseuchung des Grundwassers alle Fässer herauszuholen und in ein andere Endlager zu bringen. Zweieinhalb Jahre später hat sich praktisch nichts getan; die Formalitäten werden weiter geklärt. Im Bundesamt für Strahlenschutz wird zurzeit geprüft, ob und wie die Fässer geborgen werden können.

Der ursprüngliche verworfene Option, die Fässer einzubetonieren, wird nun aber wieder erwogen. "Die Rückholung entwickelt sich immer mehr zur 'Mission Impossible'", hatte der Vorsitzende der Entsorgungskommission des Bundes, Michael Sailer, der "Frankfurter Rundschau" gestern gesagt. Sailer schlug vor, abdichtende Barrieren vor die mit Atommüll beladenen Kammern zu bauen und die Hohlräume des Bergwerks mit Feststoff zu verfüllen.

Der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP) sagte, der Vorschlag sei eine Option. Wenn die Fässer nicht rückholbar sein sollten, "dann muss das transparent und nachvollziehbar geklärt werden". Aber: "Unser Ziel ist und bleibt es, die Abfälle da herauszuholen". Rechtliche Hürden "räumen wir gerade aus dem Weg durch das Asse-Gesetz". Das Gesetz hatte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) gleich nach seinem Amtsantritt im Mai angekündigt. Darin sollen atomrechtliche Hürden für eine schnellere Bergung radioaktiver Abfälle gesenkt werden.

Gabriel verlangt Position von Altmaier

Bundesumweltminister Peter Altmaier, CDU, mit SPD-Chef Sigmar Gabriel in eime Asse-Stollen (dpa / Julian Stratenschulte)Bundesumweltminister Peter Altmaier, CDU, mit SPD-Chef Sigmar Gabriel in eime Asse-Stollen (dpa / Julian Stratenschulte)SPD-Chef Gabriel verlangt von der Bundesregierung eine Klarstellung zur Zukunft des Atommülllagers. Umweltminister Altmaier müsse sich auf eine Position zu einer möglichen Bergung der Atomfässer aus dem niedersächsischen Salzbergwerk festlegen, sagte Gabriel auf seiner Facebook-Seite. Der Vorschlag des "befangenen" Regierungsberaters sei "zugespitzt eine Aufforderung zum Rechtsbruch", weil damit die gesetzlich vorgegebenen Schutzziele des Atomrechts nicht gewährleistet würden. "Es ist an der Zeit, dass Umweltminister Altmaier einmal klärt, wie er zu den Positionen seines Beraters steht", sagte Gabriel. In seinem Bundestagswahlkreis Salzgitter-Wolfenbüttel liegt das Endlager.

Atomtransport erreicht Niedersachsen

Das Transportschiff "Atlantic Osprey" trifft im Hafen von Nordenham ein (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)Das Transportschiff "Atlantic Osprey" trifft im Hafen von Nordenham ein (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)Begleitet von Protesten, hat unterdessen erstmals seit Ende der Achtziger Jahre wieder ein mit plutoniumhaltigen Kernbrennstäben beladener Frachter die deutsche Küste erreicht. Von Nordenham an der Wesermündung aus fuhren Speziallastwagen die acht Brennelemente aus dem britischen Sellafield in Richtung Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln. Rund 200 Demonstranten protestierten im Hafen von Nordenham gegen den Transport, auch in Grohde versammelnden sich zahlreiche Menschen zu Mahnwachen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr