Zweifelnde CDU-Wähler in Blankenese

Schwerpunkt: Wahlen in Hamburg, Teil 2

Von Heidrun Wimmersberg

Die CDU muss sich selbst im Kernbezirk Blankenese mehr anstrengen. (picture alliance / dpa)
Die CDU muss sich selbst im Kernbezirk Blankenese mehr anstrengen. (picture alliance / dpa)

Selbst eingefleischte CDU-Wähler im wohlhabenden Elbvorort Blankenese hadern mit ihrer Partei. Sie fühlen sich im Stich gelassen von Ole von Beust und kritisieren seinen Abgang. Und sein Nachfolger Christoph Ahlhaus sagt vielen der Hanseaten nicht so zu.

Vor einer kleinen Einkaufszeile in der Nähe vom Blankeneser Markt haben CDU, FDP und die Grün-Alternative Liste – so nennt sich der Landesverband der Grünen in Hamburg - ihre Infostände aufgebaut. Die örtlichen Parteienvertreter kämpfen für ihre Politik und an diesem Samstag auch gegen das Wetter. Es regnet und stürmt. Der FDP ist der Schirm weggeweht, nach einer heftigen Böe kracht der CDU-Stand zusammen.

Doch der ist in Windeseile wieder aufgebaut. Die Christdemokraten sind mit sechs Leuten in ihrem Stammbezirk im Einsatz. Hier hat auch die Initiative "Wir wollen lernen" gegen die Schulreform des Senats viele Unterstützer gehabt. Die Bewegung – wie CDU-Mitglied Gerhard Willhöft unter seinem blauen Regenschirm sagt – hat auch in Blankenese motivierend gewirkt:

"Vor allem auch hier in den Elbvororten, wo die Menschen sonst an sich über alles redeten, sich aber nicht so furchtbar engagierten, wenn es um politische Fragen ging."

Die Initiative "Wir wollen lernen" hat die Schulreform mit einem erfolgreichen Volksentscheid gestoppt und damit auch das Ende der schwarz-grünen Koalition eingeleitet. Seither befinden sich die Hamburger Christdemokraten im Abstiegskampf. Dennoch hat die Debatte über die Schulreform auch etwas bewirkt, meint Karin Prien, CDU-Spitzenkandidatin für die Bürgerschaft im Wahlkreis Blankenese:

"Mein Eindruck ist schon, dass wir in klassisch bürgerlichen Kreisen eine Art politisches Erwachen haben. Die Menschen sind einfach interessierter, natürlich zeigt sich das insbesondere am Thema Schule, aber insgesamt scheint es mir doch zu sein, dass viele Bürger sagen, ich muss selber mehr machen, ich muss mitmachen, wir haben ja gottseidank auch einige neue Mitglieder aus dem Bereich der ehemaligen Volksinitiative. Ja, es ist eigentlich eine positive Entwicklung."

Hermann Bach glaubt nicht daran, dass es demnächst auch Wutbürger im wohlhabenden Blankenese geben wird. Der Elbvorort, in dem der Mittdreißiger seit ein paar Jahren wohnt, war und ist seiner Ansicht nach konservativ:

"Hier ist viel altes Geld zuhause, was schon über Generationen weitergetragen worden ist, und dadurch haben die Leute eine gewisse Mentalität, die einfach bewirkt, dass sie konservativ sind und dann auch entsprechend wählen. Sie wählen die, bei denen sie meinen, das Geld bleibt ihnen so erhalten in der Tasche."

Einmal konservativ – immer konservativ – das gilt auch für die Blankeneserin im roten Regenmantel, die ihren Namen nicht nennen will. Sie outet sich als CDU-Wählerin, der es dieses Mal nicht leicht fällt, an gewohnter Stelle ihr Kreuz zu machen.

"Man kann seine Grundhaltung nicht ändern, die hat man. Ich bin kein Wechselwähler. Ich habe meine Grundeinstellung und in diesem Jahr mache ich es mit etwas gesträubten Nackenhaaren, das gebe ich zu."

Vor allem der Rückzug des Bürgermeisters Ole von Beust nach der gescheiterten Schulreform hat die ältere Dame sehr enttäuscht. Das Stadium der Enttäuschung hat Jutta Tassler schon hinter sich gelassen. Die große blonde Frau im blauen Dufflecoat findet die Politiker unehrlich, zweifelt an der Glaubwürdigkeit. Sie hatte sogar schon über Wahlboykott nachgedacht:

"Weil ich wirklich geschwankt habe, gehe ich zur Wahl, gehe ich nicht zur Wahl. Aber ich denke, man muss wählen, sonst – das ist auch keine Lösung. Es sei denn, alle würden sich entscheiden und sagen, wir gehen nicht, dann kriegten sie eine Packung. Aber das geht ja nicht, das klappt nicht."

Wen Jutta Tassler wählt, weiß sie noch nicht. Weder Hamburgs jetziger CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus sagt ihr zu noch der SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz. Die CDU wird es dieses Mal in Blankenese schwer haben. Das ist für Michael Kalb, der seit 30 Jahren hier lebt, ganz klar:

"Also hier ist an für sich ein klassisches CDU-Publikum, wo ein Bürgermeister einen Bürgermeisterschaftsbonus haben müsste, wo er auch extrem gut abschneidet, und ich glaube, das Gegenteil wird der Fall sein. Er kommt einfach nicht glaubhaft rüber, und Scholz wird auch hier in dieser Gegend durch seine Art einen deutlichen Bonus haben."

Als CDU-Mitglied hofft Gerhard Willhöft noch, aber als rationaler Mensch weiß er, dass es bei den Wahlen am 20. Februar für seine Partei nicht gut aussieht:

"Wenn man das heute sieht, ist es wohl schwer, diese Atmosphäre noch zu ändern. Irgendwie ist doch wohl die überwiegende Zahl der Menschen der Auffassung, dass eben die anderen wieder dran kommen sollen, und es bleibt uns nichts anderes übrig, als dann uns zu bemühen, beim nächsten Mal wieder besser abzuschneiden."

Übersicht zur Serie im Deutschlandfunk:

Vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr