Zweimal Gold für deutsches Team

Paralympics-Siege für Holger Nikelis und Sebastian Dietz

Holger Nikelis gewinnt Gold im Tischtennis (picture alliance / dpa (Julian Stratenschulte))
Holger Nikelis gewinnt Gold im Tischtennis (picture alliance / dpa (Julian Stratenschulte))

Millionen von Menschen fiebern mit und freuen sich über die Erfolge bei den Paralympics. Das Interesse an den sportlichen Wettkämpfen ist groß: Alle Wettkämpfe sind ausverkauft. Für Deutschland gab es auch heute wieder zweimal Gold, im Diskuswurf und beim Tischtennis.

Sebastian Dietz hat bei den Paralympics in London die Goldmedaille im Diskuswurf gewonnen. Der nach einem Autounfall zum Teil gelähmte Athlet aus Herford setzte sich mit einer Weite von 38,54 Metern durch und feierte den größten Erfolg seiner Karriere. "Das ist das Größte, einfach wunderschön", sagte der 27-Jährige. Er gewann die insgesamt sechste Goldmedaille bei den Paralympics für das deutsche Team. Die Siebte holte kurz darauf der Tischtennisspieler Holger Nikelis. Unter dem Jubel zahlreicher deutscher Fans setzte sich der querschnittsgelähmte Kölner im Finale gegen den Franzosen Jean-Francois Ducay durch.

Gold für Sebastian Dietz im Diskuswerfen (picture alliance / dpa (Kerim Okten))Gold für Sebastian Dietz im Diskuswerfen (picture alliance / dpa (Kerim Okten))

Paralympics 2012: In London geht's jetzt richtig los

Die Paralympics treten aus dem großen Schatten von Olympia heraus: 2,5 Millionen verkaufte Tickets und weit über 8.000 akkreditierte Journalisten aus der ganzen Welt. ARD und ZDF senden rund 66 Stunden von den Paralympics in London. Bei den Paralympics in Peking 2008 waren es nur 30 Stunden, in Athen 2004 rund elf und in Sydney 2000 rund 16 Stunden - ein deutlicher Anstieg. "Die Paralympics haben sich zu einem eigenständigen Großereignis entwickelt und eine führende Position im Weltsport erobert", sagt Peter Kaadtmann, gemeinsamer Teamchef von ARD und ZDF für die Paralympics.

Die Welt hat in Peking begonnen, die Paralympics wahrzunehmen, in London geht's jetzt richtig los", sagte Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) der BBC vor der Eröffnung. "Es sind mehr als zwei Millionen Eintrittskarten verkauft worden, das zeigt die Wahrnehmung von Behinderten in der Mitte der Gesellschaft", ergänzte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. 4200 Athleten treten beim weltweit zweitgrößten Sportfest an elf Wettkampftagen noch bis zum 9. September an.

Deutsches Team bei der Eröffnungsfeier der Paralympics in London (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)Deutsches Team bei der Eröffnungsfeier der Paralympics in London (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)"Die internationale Professionalisierung geht schneller voran als uns lieb ist, sodass wir manchmal denken, nicht mithalten zu können", gibt Beucher zu. Während die Briten mit einer Finanzspritze in den Leistungssport der Behinderten von 60 Millionen Euro in der Nationenwertung endlich an China vorbeiziehen wollen, könnte das junge deutsche Team mit Achtungserfolgen auf sich aufmerksam machen. Schlechter als Platz elf von Peking 2008 soll es aber nicht werden.

IPC enttäuscht über Berichterstattung in den USA

Das International Paralympic Committee (IPC) zeigt sich allerdings in einem Guardian-Bericht enttäuscht über das Ausmaß der Berichterstattung in den USA. Der US-Sender NBC verfügt zwar über die Senderechte, überträgt aber nicht live. NBC beschränkt sich auf vier Highlight-Zusammenfassungen auf NBC Sport. Das IPC hofft, dass die US-Medien durch die große Berichterstattung in Europa dazu gebracht werden, ebenfalls mehr zu zeigen.

Veranstalter, Medien und Sponsorenfirmen haben die Zuschauer und Gebührenzahler schon vorher in ungewohnter Weise für ihre Berichterstattung über Behindertenleistungssport umworben: Demnach sind die Athleten kämpferisch, sexy und stylish, sie sind die neuen Superstars. Die Jahrzehnte der No-Name-Athleten bei Behindertenspielen sind vorbei. Die Stars der diesjährigen Paralympics: der südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius, der frühere italienische Formel-1-Pilot Alex Zanardi bei seinem Comeback im Handbike und die deutsche Olympiasiegerin Ilke Wyludda mit dem Diskus.

"Unsere Leistung ist nicht weniger wert"

"Unsere Leistung ist nicht weniger wert", sagt die deutsche Schwimmerin Daniela Schulte. Nach der Eröffnungsfeier wurde sie damit zitiert, dass Behindertensportler nicht mehr so sehr in Watte gepackt werden sollen: "Es gibt oft Eltern, die behinderte Kinder haben und sagen, mein Kind kann dies oder das nicht. Das merke ich auch bei uns im Schwimmunterricht, dass die Eltern das den Kleinen nicht so richtig zutrauen. Und dann ganz erstaunt sind, wie ihre Kinder plötzlich mit ihrer Behinderung besser klarkommen, körperlich fitter werden, und auch im Alltag viele Sachen besser meistern. Es muss ja nicht immer der Leistungssport sein. Aber Sport zu treiben, gibt jedem etwas mehr Lebensqualität."

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr