Zypern muss in Stichwahl über Präsidenten entscheiden

Konservativer Anastasiades erhält Mehrheit im ersten Wahlgang

Präsidentschaftskandidat Nicos Anastasiades beim Urnengang (picture alliance / dpa / Stringer)
Präsidentschaftskandidat Nicos Anastasiades beim Urnengang (picture alliance / dpa / Stringer)

Bei den Präsidentschaftswahlen in Zypern hat Nikos Anastasiades klar die erste Runde gewonnen - doch es reichte nicht für eine absolute Mehrheit. Damit gibt es am kommenden Wochenende eine Stichwahl.

Nikos Anastasiades erhielt bei der Präsidentschaftswahl in Zypern 45,5 Prozent der Stimmen - deutlich mehr als seine Mitbewerber. Doch die erforderliche absolute Mehrheit verfehlte der rechtskonservative Politiker. Damit findet am 24. Februar eine Stichwahl statt. Gegen Anastasiades tritt Stavros Malas von der kommunistischen Partei AKEL an.

Malas konnte sich trotz schlechter Umfragewerte mit 26,9 Prozent in der ersten Runde als Zweiter durchsetzen, und das, obwohl er an der katastrophalen Politik des bisherigen linken Präsidenten Dimitris Christofias schwer zu tragen hatte. Christofias war als erster Staatspräsident in der Geschichte Zyperns nicht für eine zweite Amtszeit angetreten, weil er mit seinen Maßnahmen gegen Finanzkrise gescheitert war.

Alles hängt nun von den Wählern des drittplatzierten Kandidaten der politischen Mitte, des früheren Außenministers Giorgos Lillikas ab. Er kam auf 25,2 Prozent. Beobachter rechnen für die kommenden Tage mit intensiven Gesprächen hinter den Kulissen sowohl mit Kommunisten als auch Konservativen. Lillikas war als Kandidat von den Sozialisten und einem Teil der Demokratische Partei (DIKO) unterstützt worden.

Zypern braucht 17,5 Milliarden Euro

Wer auch immer die Stichwahl am kommenden Sonntag gewinnen wird, auf ihn kommen schwere Aufgaben zu: Das hochverschuldete Euro-Mitgliedsland Zypern ist von der Staatspleite bedroht. 17,5 Milliarden Euro sind nötig, um die Staatsfinanzen und das Bankwesen Zyperns zu stabilisieren. Das ist auf die Landesgröße bezogen ein dicker Brocken und entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das Land hatte im vergangenen Jahr Hilfe aus dem Eurorettungsfonds beantragt. Die überdimensionierten Banken sind in Schieflage, unzählige Privat- und Geschäftskredite drohen zu platzen, in den Geschäftsstraßen der Hauptstadt Nikosia reiht sich Leerstand an Leerstand.

Die EU ist bei ihrer Hilfe aber skeptisch und wirft Zypern vor, nicht genug gegen Geldwäsche und Steuerbetrug zu unternehmen. Auch die engen Beziehungen zu Russland sind in Brüssel und Berlin nicht gern gesehen.

"Alles steht auf dem Spiel"

Nach Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs erwischte das Platzen einer Immobilienblase 2010 viele Zyprer wirtschaftlich auf dem falschen Fuß. Die Privathaushalte dort sind so stark verschuldet wie in keinem anderen Euro-Staat. Auch die engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem großen Nachbarn Griechenland waren nicht hilfreich, beim Schuldenschnitt dort verloren zyprische Sparer und Banken viel Geld.

Angeschlagener Bankensektor: Das Gebäude der Bank of Cyprus in Nikosia (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)Angeschlagener Bankensektor: Das Gebäude der Bank of Cyprus in Nikosia (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)"Alles steht gerade auf dem Spiel, so wie nie zuvor", sagte Kyriakos Iacovides, Herausgeber der Zeitung "Cyprus Mail", der Nachrichtenagentur Reuters. "Das Land muss neu aufgerichtet werden. Zypern muss in der EU rehabilitiert werden. Für diesen Wiederaufbau brauchen wir eine starke Staatsführung."

Wahlberechtigt waren rund 545.000 Zyprer im griechischsprachigen Süden. Die Insel ist seit 1974 geteilt: Die international anerkannte Republik Zypern, die heute auch EU-Mitglied ist, übt nur im Südteil die Staatsgewalt aus. Der Norden hat als Türkische Republik Nordzypern eigene Verwaltungsstrukturen. Personen und Waren können nur mit - teils erheblichen - Umständen die Grenze zwischen den Inselhälften passieren.

Unterdessen sprach sich EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen erneut für Finanzhilfen an Zypern ausgesprochen, forderte aber zugleich "weit reichende Privatisierungen". Nach der Wahl müsse man sehen, ob man so ein Programm "vernünftig verhandeln kann", sagte Assmussen im ARD-"Bericht aus Berlin".

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr