Zyperns Finanzminister tritt zurück

Sein Nachfolger soll der bisherige Arbeitsminister Harris Georgiades werden

Michalis Sarris war in die Kritik geraten (picture alliance / dpa / Alexey Kudenko)
Michalis Sarris war in die Kritik geraten (picture alliance / dpa / Alexey Kudenko)

Finanzminister Michalis Sarris hat seinen Rücktritt eingereicht, weil er vor seinem Amtsantritt Chef der Pleitebank Laiki war. Auch Staatspräsident Nikos Anastasiades ist unter Druck. Vorwürfe der Kapitalflucht treffen seine Familie.

Der zyprische Finanzminister Michalis Sarris hat sein Amt niedergelegt. Sarris sagte in Nikosia, er habe sich zu diesem Schritt entschieden, um Ermittlungen zu den Ursachen der Finanzkrise des Landes zu erleichtern. Als ehemaliger Chef der Laiki Bank gilt Sarris als vorbelastet. Er leitete die zweitgrößte Bank des Landes in jener Zeit, als das gesamte Finanzsystem Zyperns in die Krise geriet. Seine Zeit als Banker nannte Sarris denn auch als Rücktrittsgrund. Nachfolger wird der bisherige Arbeitsminister Harris Georgiades.

Zypern lockert Beschränkungen für Geldverkehr

Vor dem Rücktritt hatte die zyprische Regierung die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern beendet. Man habe sich auf eine Rückzahlung der Milliardenhilfen geeinigt, teilte ein Regierungssprecher mit. Der Zeitraum dafür erstrecke sich über 22 Jahre, wobei der Zinssatz bei 2,5 Prozent liege. Die Tilgung beginne in zehn Jahren. Die Bedingungen für den Rettungsplan seien entsprechend gelockert worden, um "den Druck auf die Wirtschaft" Zyperns zu verringern.

Nach Mitteilung der Regierung in Nikosia sind jetzt Überweisungen für geschäftliche Zwecke bis zu 25.000 Euro pro Tag und Konto erlaubt, statt bislang nur 5.000 Euro. Transfers oberhalb der Grenze bedürfen weiterhin der Zustimmung der Zentralbank. Außerdem wird bis zu einer Grenze von 9.000 Euro der Gebrauch von Schecks erlaubt; Schecks dürfen allerdings weiterhin nicht als Bargeldersatz eingesetzt werden. Das Limit für Abhebungen bleibt bei 300 Euro.

Warnte Zyperns Präsident Verwandte und Firmen vor der Abgabe

Der zyprische Präsident Anastasiades spricht zu seinem Volk (picture alliance / dpa / Cypriot Press Office)Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades spricht zu seinem Volk (picture alliance / dpa / Cypriot Press Office)Für Zündstoff hatte in den vergangenen Tagen eine Liste mit über 130 Firmen und Einzelpersonen gesorgt, die rechtzeitig vor der Zwangsabgabe Gelder ins Ausland gebracht haben sollen. Auf der Liste tauchte auch der Name eines Verwandten von Staatspräsident Nikos Anastasiades auf.

Eine aus Richtern zusammengesetzte Kommission wird den Vorwürfen ab Dienstag nachgehen, denen zufolge Firmen aufgrund von Insiderinformationen kurz vor der mehrtägigen Bankenschließung große Summen von ihren Konten abgehoben haben sollen. Weiter prüft die Justiz Vorwürfe zu angeblichen Begünstigungen bei Krediten. Griechische Medien hatten eine Liste mit Namen von Politikern veröffentlicht, die zwischen 2007 und 2012 Darlehen von den zwei in Schieflage geratenen Banken, Bank of Cyprus und Laiki Bank, erhalten haben sollen.


Mehr zum Thema:

"Sehr fantasielos und sehr kalt" - Ex-EU-Kommissar Verheugen kritisiert Merkels Rettungspolitik
Eingeschränkter Zahlungsverkehr für Zyprer - Wenn ein gemeinsamer Binnenmarkt auf kontrollierte Geldströme trifft
Otte: Die meisten Türen in Zypern sind jetzt zu - Wirtschaftswissenschaftler sieht Möglichkeit für Kapitalflucht kaum mehr gegeben
Zypern ist ein "Sonderfall" - Bankenvertreter: Einlagensicherung in Europa muss gewahrt bleiben
Wird Zypern zum Präzedenzfall? - EU-Kommissar Barnier will Großanleger für kriselnde Banken zahlen lassen
Glossar: Bad Bank

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr