Zyperns Präsident unter Druck

Warnte Anastasiades Unternehmen und Verwandte vor der Zwangsabgabe?

Der zyprische Präsident Anastasiades spricht zu seinem Volk (picture alliance / dpa / Cypriot Press Office)
Der zyprische Präsident Anastasiades spricht zu seinem Volk (picture alliance / dpa / Cypriot Press Office)

Eine Liste mit über 130 Firmen und Einzelpersonen, die rechtzeitig vor der Zwangsabgabe Gelder ins Ausland gebracht haben sollen, sorgt auf Zypern für jede Menge Zündstoff. Auf der LIste taucht auch der name eines Verwandten von Präsident Nikos Anastasiadis.

Es geht um Gelder in Höhe von rund 700 Millionen Euro, berichtet Selma Üsük im Deutschlandradio Kultur. Über 130 Firmen sollen angeblich wenige Tage vor der Schließung der Banken auf Zypern hohe Summen von ihren Konten abgehoben haben - darunter auch die Familie eines Schwiegersohns von Staatspräsident Nikos Anastasiades. Das betreffende Unternehmen soll nach Informationen der zyprischen Oppositionszeitung "Charavgi" 21 Millionen Euro nach London überwiesen haben.

Warnte Anastasiades Verwandte vor der Abgabe?

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades sprach von dem Versuch, ihn zu diffamieren. In einer schriftlichen Erklärung stellte er klar: "Weder wusste ich im voraus etwas über die Beschlüsse, noch wäre es mir möglich gewesen bis zum frühen Samstagmorgen eine Schlacht mit den Euroländern zu schlagen und gleichzeitig Informationen weiter zu geben". Anastasiades sagte, es handele sich um einen Versuch der Opposition, ihn zu verleumden. Er kündigte gleichzeitig an, es werde Untersuchungen geben. Niemand solle verschont werden.

Das Unternehmen bestätigte derweil die Überweisung, es dementierte aber, dass es Informationen aus dem Präsidentenamt erhalten habe. Die Firma habe im Rahmen ihrer normalen Tätigkeit das Geld überwiesen. Damit sollten zwei Immobilien in Griechenland sowie ein Haus auf Zypern gekauft werden, das dem griechischen Staat gehört. Das Unternehmen habe weiterhin mehrere Millionen Euro auf seinen Konten bei zyprischen Banken gelassen und dadurch - wie viele andere Zyprer - hohe Verluste erlitten. Dies beweise, dass die Firma keine Informationen hatte, hieß es unter anderem in einer Erklärung des Unternehmens.

Justiz prüft Vorwürfe

Eine aus Richtern zusammengesetzte Kommission wird den Vorwürfen ab Dienstag nachgehen, denen zufolge Firmen aufgrund von Insiderinformationen kurz vor der mehrtägigen Bankenschließung große Summen von ihren Konten abgehoben haben sollen. Weiter prüft die Justiz Vorwürfe zu angeblichen Begünstigungen bei Krediten. Griechische Medien hatten eine Liste mit Namen von Politikern veröffentlicht, die zwischen 2007 und 2012 Darlehen von den zwei in Schieflage geratenen Banken, Bank of Cyprus und Laiki Bank, erhalten haben sollen.

Zyperns Sparprogramm ist nach Informationen der größten zyprischen Zeitung "Fileleftheros" fast fertig. Dies bestätigte Zyperns Regierungssprecher Christos Stylianides Reportern in Nikosia. Das Sparprogramm muss nun noch von der Geldgeber-Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) genehmigt werden.

Die wichtigsten Eckpunkte aus Zyperns Sparprogramm:


  • Alle Renten sollen um 3 Prozent gekürzt werden

  • Zusätzliche Immobiliensteuern in Höhe von 70 Millionen Euro

  • Eine Erhöhung der Unternehmensteuer von 10 auf 12,5 Prozent

  • Die Steuern für Tabak, Alkohol und Treibstoffe sollen steigen

  • Mehrwertsteuererhöhung von 17 Prozent auf 19 Prozent

  • Der Staat soll durch Privatisierungen verschlankt werden

Zypern sucht nach Wegen aus der Krise

Zyperns Präsident Anastasiades kündigte in einem Interview mit der Zeitung "Fileleftheros" zudemverschiedene Pläne zur Stärkung der Wirtschaft an. Unter anderem wird an die Eröffnung eines Kasinos gedacht, was bislang am hartnäckigen Widerstand der orthodoxen Kirche scheiterte. Außerdem soll es Steuererleichterungen für reinvestierte Unternehmensgewinne geben. Auch bei Zahlungsfristen und den Zinssätzen für Kredite sprach sich Anastasiades für Erleichterungen aus.

Fest steht bereits, wer mehr als 100.000 Euro bei der Bank of Cyprus angelegt hat, muss kräftig zahlen: Es droht eine Zwangsabgabe von bis zu 60 Prozent. Noch schlimmer ist die Situation für die Sparer der zweitgrößten Bank, der Laiki Bank. Diese wird aufgeteilt. Nur Geldeinlagen bis 100.000 Euro werden gerettet und gehen automatisch an die gesunde Bank, die von der Bank of Cyprus übernommen wird. Der Rest geht an eine so genannte Bad Bank. Die Sparer können nur hoffen, dass sie in der Zukunft einen Teil ihrer Gelder zurückbekommen.

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Glossar: Bad Bank

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr