Zyperns Sparer könnten bis zu 60 Prozent verlieren

Bank-of-Cyprus-Kunden erhalten im Gegenzug Bankaktien

Angeschlagener Bankensektor: Das Gebäude der Bank of Cyprus in Nikosia (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)
Angeschlagener Bankensektor: Das Gebäude der Bank of Cyprus in Nikosia (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Für das EU-Rettungspaket sollen große Vermögen auf Zypern wohl weit stärker bluten als zunächst angekündigt: Besitzer von Guthaben über 100.000 Euro bei der Bank of Cyprus könnten bis zu 60 Prozent davon verlieren. Zypern sei aber kein Vorbild für andere kriselnde Euroländer, betonte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

"Zypern ist und bleibt ein spezieller Einzelfall", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) der "Bild"-Zeitung. Das Vorgehen sei kein Vorbild für andere kriselnde Euroländer. In dem jüngst vor der Staatspleite geretteten Inselstaat seien die beiden großen Banken "faktisch nicht mehr zahlungsfähig gewesen". Der zyprische Staat habe außerdem schlicht nicht mehr das nötige Geld gehabt, um die Einlagen zu sichern. Daher sei entschieden worden, diejenigen an den Kosten zu beteiligen, "die die Krise mit verursacht haben", so Schäuble weiter.

Die Zwangsabgabe für Guthaben bei der größten zyprischen Bank fällt noch höher aus als bislang gemeldet. Die Zentralbank bestätigte in Nikosia, dass die Kunden der "Bank of Cyprus" sich auf einen Verlust von bis zu 60 Prozent einstellen müssen. Die Zahlen im Einzelnen: Alle Guthaben bis 100.000 Euro werden nicht angetastet. Jenseits dieser Summe werden in einem ersten Schritt 37,5 Prozent an Steuern fällig. Dafür erhalten die Kunden Aktien der Bank. Weitere 22,5 Prozent der betroffenen Guthaben werden eingefroren und bei Bedarf ebenfalls für die Sanierung der Bank herangezogen. Das ergibt zusammen 60 Prozent. Die übrigen 40 Prozent werden erst dann ausgezahlt, wenn die Bank sich gut entwickelt.

Zypern muss Eigenanteil von 5,8 Milliarden Euro aufbringen

Mit strengen Auflagen: Geldautomat der Laiki-Bank in Zypern (picture alliance / dpa / Anhaeuser, Iakovos Hatzistavrou)Die Laiki-Bank wird komplett geschlossen (picture alliance / dpa / Anhaeuser, Iakovos Hatzistavrou)Eventuell müssten Kontoinhaber sogar auf den Rest komplett verzichten. Das bestätigte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Dies hänge von der offiziellen Einschätzung ab, welche Summe letztlich für die Sanierung der größten Bank des Landes benötigt werde. Mit dem Zugriff auf große Vermögen soll ein Eigenanteil Zyperns von 5,8 Milliarden Euro aufgebracht werden. Im Gegenzug soll der kleine Inselstaat zehn Milliarden Euro Hilfskredite aus dem Euro-Rettungsfonds ESM bekommen.

Die zyprische Staatsanwaltschaft geht unterdessen Medienberichten nach, wonach zahlreiche Politiker und Unternehmer des Inselstaates Kredite von zyprischen Banken erhalten und diese nur zum Teil oder gar nicht zurückgezahlt haben sollen. Im staatlichen Fernsehen (RIK) bestätigte auch der zyprische Generalstaatsanwalt Petros Klerides die Untersuchungen. "Wir werden uns ab Dienstag mit den Veröffentlichungen befassen. Weitere rechtliche Schritte gibt es bislang nicht", sagte er. Viele der Beschuldigten wiesen die Vorwürfe zurück.

Eine griechische Boulevardzeitung und ein griechisches Internet-Nachrichtenportal hatten eine Liste mit Namen von Politikern veröffentlicht, die zwischen 2007 und 2012 Darlehen von den zwei in Schieflage geratenen Banken Bank of Cyprus und Laiki Bank erhalten haben sollen.

CDU-Politiker beklagt unzureichende Beteiligung des Parlaments

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch, aufgenommen auf einer Pressekonferenz in der CDU-Kreisgeschäftsstelle in Bad Schwalbach. (dpa / Salome Kegler)Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch (dpa / Salome Kegler)Auch in Deutschland wird die Zypern-Rettung weiterhin kontrovers diskutiert. Der Unions-Haushaltsexperte Klaus-Peter Willsch kritisierte die Einbindung des Bundestages als unzureichend. "Die nur einmalige Beteiligung des Parlaments ist ein ungeheuerlicher Vorgang", sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Über die Zypern-Hilfen müsse zweimal im Bundestag abgestimmt werden, forderte er. Die Parlamentsbeteiligung über ein zweistufiges Verfahren sei im Gesetz zur Finanzierung des Euro-Rettungsfonds ESM klar festgeschrieben.

"Die Tinte ist noch gar nicht richtig trocken unter dem Gesetz, da wird es schon das erste Mal umgangen", sagte Willsch. "Das ist schon ein starkes Stück." Der Bundestag werde nach dem Vorpreschen der Euro-Gruppe nur noch formal beteiligt. Bundesfinanzminister Schäuble hatte es als "rechtlich möglich" bezeichnet, das im ESM-Finanzierungsgesetz festgelegte, zweistufige Verfahren für die Bundestagsbefassung in einer Sitzung umzusetzen.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr