Zyprische Bankkunden versuchen ihre Konten zu räumen

Zustimmung des Parlaments auf Zypern zum EU-Rettungspaket unsicher

Zyprisches Parlament verschiebt Abstimmung über Rettungspaket (picture alliance / dpa / Stephan Persch)
Zyprisches Parlament verschiebt Abstimmung über Rettungspaket (picture alliance / dpa / Stephan Persch)

Das milliardenschwere Rettungspaket für Zypern mit der umstrittenen Zwangsabgabe sorgt im Land für Wut und lange Schlangen vor den Geldautomaten. Die Eurogruppe will, dass zur Rettung Zyperns vor der Peite auch jeder Bankkunden zur Kasse gebeten wird. Befürchtet wird ein Ansturm auf die Banken.

Die Euro-Gruppe hatte sich am am Samstag nach langen Verhandlungen darauf geeinigt, Zypern mit bis zu zehn Milliarden Euro zu unterstützen. Im Gegenzug wird unter anderem eine einmalige Sonderabgabe von den Bankkunden verlangt. Sparer aus dem In- und Ausland mit bis zu 100.000 Euro Einlagen bei zyprischen Banken müssen eine Abgabe von 6,75 Prozent zahlen, Kunden mit mehr als 100.000 Euro eine Abgabe von 9,9 Prozent. Diese Sonderabgabe soll 5,8 Milliarden Euro einbringen, hatte aber zu Empörung bei vielen Zyprern geführt. Rund ein Drittel der Einlagen in Zypern sind aber in der Hand ausländischer Kontoinhaber, vor allem reicher Russen und Briten.

Lange Schlangen vor den Geldautomaten

Kunden in Nikosia stehen Schlange an einem Bankautomaten. (picture alliance / dpa / EPA/Katia Christodoulou)Kunden in Nikosia stehen Schlange an einem Bankautomaten. (picture alliance / dpa / EPA/Katia Christodoulou)Viele Bankkunden versuchten am Wochenende, ihr Geld abzuheben. Das ging am Geldautomaten aber nur bis zum Tageslimit. Wer seinen Kontostand abfragte, musste außerdem feststellen, dass die der Abgabe entsprechende Summe bereits fehlte: Sie wurde eingefroren. Überweisungen und Online-Banking sind seit Samstag ebenfalls nicht möglich. Um einem massenhaften Ansturm auf die Konten zuvorzukommen, hat die Zentralbank Zyperns das gesamte Bankensystem lahmgelegt.

"Das ist Raub, und die EU muss etwas dagegen tun", schimpfte ein britischer Pensionär, der sich für seinen Lebensabend auf die sonnige Mittelmeerinsel zurückgezogen hat. "Wir kommen hierher, bringen unsere Ersparnisse mit und werden dann beraubt, weil wir angeblich Mitinhaber einer bankrotten Bank werden sollen."

Anastasiades fürchtet Rettungsmaßnahmen könnten abgelehnt werden

Siegesgewisses Strahlen: Nicos Anastasiades, konservativer Präsidentschaftskandidat (picture alliance / dpa / Katia Christodoulou)Staatschef Nicos Anastasiades (picture alliance / dpa / Katia Christodoulou)In Nikosia hatten Regierung und Parteienvertreter am Samstagabend über die Rettungsmaßnahmen beraten. Eine Entscheidung darüber war ursprünglich für Sonntag im zyprischen Parlament erwartet worden. Das staatliche Fernsehen berichtete jedoch, die Sondersitzung sei auf Montag verschoben worden, da Präsident Nikos Anastasiades eine Ablehnung des Hilfspaketes fürchte.

Tatsächlich ist die Zustimmung der Abgeordneten alles andere als sicher: Zyperns Präsident Nikos Anastasiades hat keine starke Mehrheit im Parlament, mehrere Abgeordnete seines Koalitionspartners äußerten Kritik am Beschluss des EU-Gipfels. Die beiden größten Oppositionsparteien des Landes kündigten an, gegen die geforderten Gesetzesänderungen zu stimmen.

Staatspräsident Anstasiades verteidigte die Brüsseler Entscheidung und erklärte, das Land habe nur diese Alternative gehabt: Zusammenbruch des Bankensystems mit einem ungeordneten Staatsbankrott oder eben – wie er sagte - "das Szenario eines schmerzhaften, aber kontrollierten Managements der Krise". Nur mit dem in Brüssel geschnürten Paket sei es möglich, dass die zyprischen Banken überlebten, 8.000 Arbeitsplätze gesichert und der Schuldenstand Zyperns auf ein tragfähiges Niveau gebracht würden.

Die zyprischen Banken bleiben am Montag wegen eines Feiertages geschlossen. Sollte das Parlament sich bis zum Abend nicht auf eine Annahme des EU-Hilfspakets einigen können, müssten die Institute wohl auch am Dienstag noch geschlossen bleiben, damit die Sparer nicht in Panik ihre Konten leerräumen.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Glossar: Zypern- EU-Hilfspaket
Milliardenpflaster für Zypern - Geldgeber einigen sich auf eingedampftes Reformpaket
Das hässliche Gesicht des Sparens - EU-Gipfel ringt um Hilfen für Schuldenstaaten
Söder: Private Investoren müssen an Zypern-Hilfe beteiligt werden Brüssel entscheidet über weitere finanzielle Unterstützung
Machtwechsel in Zypern - Konservativer Politiker Anastasiades will "Neustart"
Alleingelassen vom früheren Wirtschaftspartner - Russland zeigt sich bei der Rettung Zyperns zurückhaltend

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr