
Als Sohn südkoreanischer Gastarbeiter weiß ich, wie es sich anfühlt, nicht selbstverständlich dazuzugehören. Diversität ist für mich deshalb keine Modefrage, sondern eng mit Gerechtigkeit, journalistischer Qualität und demokratischer Verantwortung verbunden. Diese Werte prägen auch den öffentlich-rechtlichen Auftrag von Deutschlandradio.
Diversität als Teil unseres demokratischen Auftrags
Deutschlandradio ist ein wichtiger Bestandteil der demokratischen Infrastruktur Deutschlands. Unsere Programme informieren, ordnen ein und prägen gesellschaftliche Debatten. Damit wir die Wirklichkeit einer pluralen Einwanderungsgesellschaft glaubwürdig abbilden können, reicht es nicht, Vielfalt nur zu zeigen – sie muss sich im gesamten Haus widerspiegeln: in Redaktionen, Führungsebenen, Themenentscheidungen und in der Personalentwicklung.
Diversität stärkt journalistische Qualität, erweitert Perspektiven und schafft Vertrauen beim Publikum. Wo bestimmte Erfahrungen unsichtbar bleiben, entstehen blinde Flecken und ein verzerrtes Bild der gesellschaftlichen Realität.
Warum mich dieses Thema persönlich bewegt
Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der rassistische Ausgrenzung offen und oft gewaltsam war. Diese Erfahrungen haben mir früh gezeigt: Teilhabe hängt nicht nur von Leistung ab, sondern von Strukturen, Machtverhältnissen und alltäglichen Entscheidungen.
Seit über zwanzig Jahren arbeite ich an Fragen von Diversität, Teilhabe und Organisationsentwicklung. Meine berufliche Erfahrung verbinde ich heute mit meiner eigenen Biografie – nicht aus persönlichem Interesse, sondern aus dem Bewusstsein für Verantwortung.
Diversität betrifft die gesamte Organisation
Diversität ist keine Aufgabe „für Betroffene“, sondern ein Thema für alle.
- Für Führungskräfte, weil vielfältige Teams besser und reflektierter entscheiden.
- Für Redaktionen, weil unterschiedliche Perspektiven journalistische Qualität erhöhen.
- Für das Publikum, das sich in unseren Angeboten wiederfinden soll.
Gerade in Zeiten, in denen Diversity-Programme gesellschaftlich unter Druck geraten, braucht es eine klare, nicht-ideologische Begründung: Diversität ist eine Frage demokratischer Legitimation und institutioneller Sorgfalt.
Was meine Rolle als Diversitätskoordinator umfasst
Vielfalt zeigt sich in vielen Dimensionen – von Herkunft und Geschlecht bis zu sexueller Orientierung, Behinderung oder sozialer Herkunft. Meine Aufgabe ist es, Strukturen sichtbar zu machen, die Teilhabe ermöglichen oder verhindern, und Kolleginnen und Kollegen bei einer vielfältigen, fairen Kultur zu unterstützen.
Dazu gehören:
- Strategische Begleitung von Diversitätsprozessen
- Beratung von Führungskräften
- Unterstützung von Redaktionen bei multiperspektivischer Berichterstattung
- Impulse für eine diversitätssensible Personal- und Nachwuchsentwicklung
- Vernetzung bestehender Initiativen
- Beobachtung gesellschaftlicher und gesetzlicher Entwicklungen
Ich verstehe mich nicht als Kontrollinstanz, sondern als verbindendes Element: als Ansprechpartner, Impulsgeber und Brückenbauer. Diversität ist ein langfristiger Kulturprozess, der durch Dialog, Haltung und konsequentes Handeln entsteht.
Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen von Deutschlandradio und im Austausch mit unserem Publikum zu gestalten.