Der Deutschlandradio-Hörfunkrat hat sich in seiner Sitzung am 18. Juni 2026 im Kölner Funkhaus intensiv mit der für den Herbst geplanten Programmreform des Deutschlandfunks befasst. Das Aufsichtsgremium wird seit Dezember 2024 regelmäßig über die Überlegungen zur Reform des bundesweiten Informationsprogramms informiert und ließ sich in Köln von den Programmverantwortlichen auf den aktuellen Stand bringen. In der anschließenden Diskussion betonten die Mitglieder des Hörfunkrats, dass sie die Reformanliegen eines zukunftsorientierten Ressourceneinsatzes und Anpassungen an geänderte Hörgewohnheiten grundsätzlich begrüßen. Eine stärkere Verzahnung von linearen und digitalen Angeboten oder der Ausbau von Dialog-Sendungen seien daher grundsätzlich zu unterstützen. Dabei versteht sich der Hörfunkrat ausdrücklich auch als Vertreter der Hörerinnen und Hörer und bringt deren Interessen in den Reformprozess ein.
Hörfunkratsvorsitzende Katrin Hatzinger bekräftigte, dass das Gremium den weiteren Reformprozess konstruktiv begleiten werde, hierfür seien im nächsten Schritt nachvollziehbare und messbare Kriterien festzulegen, um die Programmreform transparent evaluieren zu können: „Als beratendes Aufsichtsgremium ist uns wichtig, dass bei den teilweise sehr grundlegenden Veränderungen im Programm die programmliche und von den Nutzenden sehr geschätzte, einzigartige DNA des Deutschlandfunks – insbesondere bezüglich Qualität, Fachlichkeit und Vielfalt – erhalten bleibt.“ Die Verknüpfung von Aktualität mit Tiefenschärfe sei ein Alleinstellungsmerkmal des Senders.
Am Vorabend hatte sich auch der Programmausschuss intensiv über die Programmreform ausgetauscht, wie Prof. Dr. Franz Riemer, Vorsitzender des Programmausschusses, berichtete. Zu Beginn der Sitzung stellte sich Susanne Schwarzbach als neue Chefredakteurin des Deutschlandfunks vor. Zudem informierten sich die Ausschussmitglieder über aktuelle Themen und Projekte der drei Programme, beispielsweise über den neuen Podcast „Die Lieblingsschülerin“, in dem sexualisierte Gewalt in der Schule thematisiert wird. Zehn vorliegende Programmbeschwerden wurden als nicht abhilfefähig beschieden, da keine Verletzung der Programmgrundsätze festgestellt werden konnte. Im Verlauf der Hörfunkratssitzung beschäftigten sich die Mitglieder des Gremiums mit einer weiteren Programmbeschwerde zu einem Kommentar in der Sendung „Themen der Woche“ im Deutschlandfunk und wiesen auch diese Beschwerde zurück.
Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue informierte den Hörfunkrat über aktuelle Themen, unter anderem über die Aktivitäten von Deutschlandradio im Bereich Medienkompetenz. Mit dem am 1. Dezember 2025 in Kraft getretenen Reformstaatsvertrag ist die Förderung von Medienkompetenz fest im öffentlich-rechtlichen Auftrag verankert worden. Bestehende Aktivitäten werden gemeinsam mit ARD und ZDF fortgeführt, neue Angebote – etwa praxisnahe Workshops für Schülerinnen und Schüler – gezielt ausgebaut und langfristig im Portfolio des Hauses verankert. Zudem gab Intendant Raue einen Überblick über aktuelle Aktivitäten der Deutschlandradio-Denkfabrik – ein Projekt, das mit Veranstaltungen und partizipativen Formaten in den intensiven Dialog mit dem Publikum tritt. In den kommenden Tagen wird sich im Berliner Funkhaus erstmals der Denkfabrik-Rat konstituieren, der aus zwölf interessierten Hörerinnen und Hörern besteht.
Im weiteren Verlauf der Sitzung befasste sich der Hörfunkrat mit dem Zeitplan zur Wahl einer Intendantin bzw. eines Intendanten für Deutschlandradio und beschloss den 3. Dezember 2026 als Wahltermin. Die Hörfunkratsvorsitzende Katrin Hatzinger wird als Vertreterin des Gremiums in die Vorschlagskommission des Verwaltungsrates entsandt. Anschließend stimmte der Hörfunkrat den durch den Siebten Medienänderungsstaatsvertrag erforderlichen Änderungen an der Satzung der Körperschaft Deutschlandradio zu. Die wesentliche Neuerung besteht in der Einführung eines Direktoriums als zusätzlichem Organ neben dem Intendanten.
Die Steuerungsgruppe Angebotskontrolle berichtete, dass in den kommenden Monaten ausgewählte Kulturformate von Deutschlandfunk Kultur auf Grundlage definierter Qualitätskriterien überprüft werden. Für diesen Prozess wird die Steuerungsgruppe Expertinnen und Experten mit unterschiedlichen fachlichen Perspektiven sowie vielfältigen gesellschaftlichen und persönlichen Hintergründen zu einer kritischen Betrachtung einladen.
Die zweite stellvertretende Vorsitzende des Hörfunkrates, Prof. Dr. Annette Leßmöllmann, gab in ihrer Rolle als Vorsitzende des nichtständigen Ausschusses Digitales und Innovation einen Überblick über aktuelle Themen. Der Ausschuss hat sich unter anderem intensiv mit der Rolle von Künstlicher Intelligenz für Deutschlandradio und seine Programme beschäftigt. Prof. Dr. Annette Leßmöllmann betonte: „Deutschlandradio ist bei der Implementierung von KI-Tools auf einem guten Weg und verfolgt dabei einen transparenten und verantwortungsvollen Ansatz. Der Einsatz von KI muss klar gekennzeichnet sein und sich stets an den hohen Anforderungen hinsichtlich Glaubwürdigkeit, Transparenz und journalistischer Verantwortung orientieren.“
Die Mitglieder des Gremiums informierten sich zudem über aktuelle Zahlen aus der Medienforschung. Die Tagesreichweiten der drei Deutschlandfunk-Programme haben sich in den vergangenen zehn Jahren mit deutlich positiver Tendenz entwickelt; täglich hören rund drei Millionen Menschen die Deutschlandfunk-Programme. Auch die Entwicklung der Podcast-Abrufe ist erfreulich. Besonders erfolgreich war seit der Veröffentlichung im Mai 2025 „Die Peter Thiel Story“ mit mehr als 9,5 Millionen Abrufen.
Über den Deutschlandradio-Hörfunkrat:
Der Hörfunkrat hat aktuell 45 Mitglieder. Er setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen, der Länder und des Bundes zusammen. Als Aufsichtsgremium stellt er die Richtlinien für die Sendungen von Deutschlandradio auf, überwacht deren Einhaltung gemäß der im Staatsvertrag aufgeführten Grundsätze und berät den Intendanten in Programmfragen. Er tritt mindestens alle drei Monate zu einer ordentlichen Sitzung zusammen. Seine Amtszeit beträgt – analog zum Verwaltungsrat – fünf Jahre. Die nächste Sitzung des Hörfunkrats findet am 10. September 2026 in Brüssel statt.