Deutschlandradio Retro

Deutschlandradio Retro öffnet den Blick in die Archive von RIAS und Deutschlandfunk. Ab 27. Oktober in der ARD Audiothek.

Wahlsonntag in Berlin: Chefsprecher Gerhard Heydebreck und Erich Nieswandt im Studio während der Aufzeichnung einer Rundfunksendung, 1963
Wahlsonntag in Berlin: Chefsprecher Gerhard Heydebreck und Erich Nieswandt im Studio während der Aufzeichnung einer Rundfunksendung, 1963 (Deutschlandradio/Karl-Heinz Schubert)

Zeitgeschichte mit unmittelbarer Atmosphäre

Ein geflüchteter Volkspolizist, der sich über eine knarzende Telefonleitung bei seinem Vorgesetzten vom Dienst abmeldet / der Regierende Bürgermeister Willy Brandt, mit dem wir in familiärer Atmosphäre im Wohnzimmer sitzen / ein durch das unhandliche Radioequipment keuchender Reporter, der mit uns ins Innere eines Trümmerbergs klettert – es sind Dokumente aus einer Zeit, die die jüngeren Generationen nur aus Geschichtsbüchern kennen. Und was in diesen oft zu kurz kommt, schafft die Unmittelbarkeit und Verspieltheit des damals noch jungen Radios zu vermitteln: Atmosphäre.
Seit 1946 gab es den RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor), der sich durch sein innovatives Programm auch über die Grenzen Westberlins hinaus, im Osten des geteilten Deutschlands illegaler Weise muss man sagen, großer Beliebtheit erfreute. Und 1962 folgte der Deutschlandfunk, der als Langwellensender im Westen der Bundesrepublik von vorneherein angetreten war, eine noch weitere Brücke über die innerdeutsche Grenze zu schlagen. 1994 trafen die beiden Konkurrenten dann im Deutschlandradio aufeinander und ihre Archive wurden zusammengeführt. Jetzt bringen wir sie unter dem gemeinsamen Label „Deutschlandradio Retro“ wieder ans Licht.

Hintergründe zu Deutschlandradio Retro

Mit dem Deutschen Rundfunkarchiv, das u. a. die Rundfunkarchive der DDR verwaltet, und den Landesrundfunkanstalten der ARD veröffentlichen wir ab 27. Oktober zunächst rund 1000 Archivbeiträge aus den 1940er- bis 1960er-Jahren in der ARD Audiothek unter der neuen Rubrik „Retro“. Damit erfüllen wir einen Auftrag des Medienstaatsvertrags, der solchen Archiven zugleich das Privileg der unbegrenzten Online-Stellung ermöglicht. Und so steht Ihnen nun ein stetig wachsendes Archiv an Hörerlebnissen aus der jüngeren Geschichte des gesamten Deutschlands zur Verfügung.
Dabei handelt es sich um Originalbeiträge eines Produktionsarchivs, die eigentlich nur für die redaktionelle Wiederverwertung archiviert wurden und mit teils abrupten Schnitten oder Tonbandrauschen aufwarten können. Außerdem spiegeln sie die damaligen Sprach- und Denkmuster wider. Wenn beispielsweise ein Reporter den interviewten Italiener korrigiert, statt Emigrant das Wort Gastarbeiter zu verwenden, dann horcht man heute auf. Und auch das ist die Aufgabe von Archiven: den Wandel der Gesellschaft zu dokumentieren. Und umso wichtiger ist es, über den Kontext der Archivinhalte und dieses Projekts zu diskutieren. Das wollen wir nicht alleine tun, sondern mit Ihnen. Dafür werden noch neue Formate entwickelt.

Highlights aus der ARD Audiothek

Deutschlandradio Retro – Erweiterung des westberliner Lokals "Schleusenkrug"

„Eine deutsche Teilung im Kleinen. Auf der Schleuseninsel im Berliner Tiergarten kam es 1954 zu der kuriosen Situation, dass sich Ost und West ein Haus teilen mussten. Im Erdgeschoss die Arbeitsräume für die von der DDR kontrollierten Schleuser und im Obergeschoss eine Gaststätte eines Westberliner Wirts. Rainer Höynck war vor Ort und berichtet aus einem ganz besonderen Grenzgebiet.
Julius Emmel, der Trainee im Archiv von Deutschlandradio ist und den Beitrag ausgewählt hat, merkt dazu an: "Die Geschichte des Schleusenkrugs zeigt sehr schön, wie die innerdeutsche Grenze zu ganz speziellen Streitigkeiten führen kann und ist gleichzeitig eine Geschichte von Zusammenarbeit in einer Zeit des Gegeneinander."“

Deutschlandradio Retro – Fritz Lang über seine Arbeit

„Heißes Eisen, der Engel der Verdammten, die Bestie - Fritz Lang gastiert 1958 nach seinen jüngsten Filmen in Berlin. Im Interview mit Jürgen Graf verrät er seine aktuellen Lieblingsproduktionen aus Deutschland und gibt Einblicke in seine neusten Produktionen: "Das indische Grab" und "Der Tiger von Eschnapur".“

Deutschlandradio Retro – Friedrich Luft spricht in einer Schulklasse über Theaterkritik

„Eines der Markenzeichen des RIAS waren Formate, die nicht nur informieren, sondern auch unterhalten. Am 3. Dezember 1957 besuchte Friedrich Luft, bekannt als die "Stimme der Kritik", die Friedrich-Ebert-Schule in Berlin-Wilmersdorf. Im Rahmen des bekannten Formats des Schulklassengesprächs sprach der Theaterkritiker über seine Arbeit.“

ARD Retro – Hörfunk von gestern

„Die ARD, das Deutschlandradio und das Deutsche Rundfunkarchiv veröffentlichen in der Rubrik Retro dauerhaft zahlreiche Archivbeiträge der 1940er-1960er Jahre. Ralf bei der Kellen fasst das in einem kleinen Hörstück zusammen.“

Auf dieser Seite finden Sie ab jetzt weitere Hintergründe zu unseren Archivinhalten und regelmäßig Neuigkeiten zu dem Projekt „Deutschlandradio Retro“. In unserer Dlf Audiothek finden Sie außerdem regelmäßig ausgewählte Archivstücke, die wir thematisch für Sie aufbereiten.
Projekt „Deutschlandradio Retro“
Do., 27.10.2022
Online-Start in der ARD Audiothek, Rubrik „Retro“