Am 22. April 2026, ab 5.00 Uhr in der Deutschlandfunk-App und im RadioMacht im Literaturbetrieb – Zwei renommierte Autoren und eine Debütantin

Eine Recherche rollt die Debatte um den Roman „Gittersee“ neu auf und untersucht Machtgefälle in der Buchbranche

Wie funktioniert Macht im Literaturbetrieb? Wer bestimmt, welche Autoren und Autorinnen welche Bücher über welche Themen schreiben dürfen? Eine Deutschlandfunk-Kulturrecherche untersucht, wie in der Literaturwelt Einfluss ausgeübt wird und mit welchen geschlechtsspezifischen Mechanismen junge Autorinnen konfrontiert sind. Dafür hat die Journalistin Anh Tran die Debatte um den Roman „Gittersee“ von 2023 neu recherchiert – und mit sämtlichen Beteiligten gesprochen. Das Audio ist für die Presse jetzt schon abrufbar.
Im Spätsommer 2023 diskutierte die Bücherwelt intensiv über den Debütroman „Gittersee“ von Charlotte Gneuß. Das Buch über eine Teenagerin im Dresden der 70er Jahre stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Dann schrieb die FAZ, dass es eine sogenannte „Mängelliste“ gebe: über 20 Beanstandungen, die vermeintliche historische Fehler in Gneuß’ Roman benennen. Verfasst hatte die Auflistung der bekannte Schriftsteller Ingo Schulze, ohne dafür einen Auftrag zu haben. Sie gelangte unter ungeklärten Umständen an die Jury des Deutschen Buchpreises – zu einem Zeitpunkt, als die Jury gerade entschied, welche Bücher in die finale Runde gewählt werden. „Gittersee“ kam schließlich nicht auf die Shortlist.
Die Kulturrecherche konstruiert erstmals vollständig, wie die Auflistung weitergegeben wurde. Die Journalistin Anh Tran hat dafür mit Charlotte Gneuß, Ingo Schulze, einem Jury-Mitglied und anderen gesprochen. Demnach war ein weiterer renommierter Autor beteiligt: Frank Witzel, Buchpreisträger von 2015, hat die Liste der Jury zukommen lassen. Das geschah mit Einwilligung von Ingo Schulze, wie sich jetzt entgegen früherer Aussagen herausstellt. Witzel habe gegenüber der Juryvorsitzenden die „Mängelliste“ erwähnt, um sie „nicht ahnungslos dastehen zu lassen“.
Was die Geschehnisse um „Gittersee“ verdeutlichen: Zwei renommierte Autoren haben Einfluss auf die Karriere einer jungen Schriftstellerin genommen. Die Recherche fragt nach Beweggründen und Auswirkungen. Zugleich beleuchtet sie die informellen Machtstrukturen in einer Branche, in der Kunst, Markt und Medien eng verwoben sind. Es kommen weitere Kennerinnen und Autorinnen zu Wort, die ein anhaltendes Machtgefälle beschreiben und von einem unfairen Umgang mit ihrer literarischen Arbeit berichten.
Die Kulturrecherche am 22. April, ab 5.00 Uhr
Das halbstündige Feature „Macht im Literaturbetrieb: Zwei renommierte Autoren und eine Debütantin“ ist am Mittwoch, 22. April, ab 5.00 Uhr in der Deutschlandfunk App abrufbar. Online ist die Recherche unter deutschlandfunk.de/gittersee zu finden.
Der Deutschlandfunk sendet eine – leicht gekürzte – Fassung um 17.35 Uhr.
Autorin und Recherche: Anh Tran
Pressematerial:
Das Feature ist bereits jetzt für die Presse verfügbar. Abhörlink hier