Michael BödekkerAktuelle Forschung verständlich erklären

Portrait von Michael Bödekker, Wissenschaftsredakteur bei Deutschlandradio
Michael Bödekker (Gustav Kuhweide)
STECKBRIEF
Name: Michael Bödekker
Position: Freier Wissenschaftsredakteur für die drei Programme von Deutschlandradio
Lieblingssendungen:
Forschung aktuell
Mo. – Fr., 16.35 Uhr, Sa./So., 16.30 Uhr
Zeitfragen. Feature
Mo. – Do., 19.30 Uhr
Einhundert
So., 17.00 Uhr
Frühmorgens an einem Montag Ende 2018 berichten Eilmeldungen von den ersten genetisch veränderten Menschen-Babys. Bis zur Sendung bleiben nur wenige Stunden Zeit. Jetzt muss es schnell gehen. Stimmen die Berichte? Was genau ist da in China gemacht worden? Und was bedeutet das? Am Nachmittag moderiere ich die tägliche Wissenschaftssendung „Forschung aktuell“ im Deutschlandfunk. Zum Glück gibt es Radioautoren, die sich schon seit Jahren mit dem Thema CRISPR/Cas beschäftigen – das ist die Gen-Schere, die diese Veränderung im Erbgut überhaupt erst möglich gemacht hat. So können wir zügig eine erste Einordnung liefern.
Vom Labor ans Mikrofon
Gut zehn Jahre zuvor stehe ich 2008 noch selbst in einem molekularbiologischen Labor, in weißem Kittel, mit Schutzbrille auf der Nase und einer Pipette in der Hand. Für meine Diplomarbeit hantiere ich auch mit DNA – allerdings nicht mit menschlicher, sondern mit der von Bakterien. Und ich muss das lange Molekül noch etwas mühsam mit altbewährten Enzymen zerschneiden. Die CRISPR/Cas-Methode hat erst einige Jahre später ihren Durchbruch. Ich selbst stehe zu diesem Zeitpunkt vor einer Weggabelung: Weiter als Biologe im Labor arbeiten? Oder einen Einstieg als Wissenschaftsjournalist versuchen? Es klappt: Schon bald darf ich als Volontär im Bereich Wissenschaft und Bildung bei Deutschlandradio anfangen! Meine Erfahrungen beim Campusradio und als Autor für eine Lokalzeitung helfen mir dabei sehr, außerdem mehrere Praktika und ein Wissenschaftsjournalismus-Stipendium.
Eine Frage der Zeit
2022 bin ich – nach einigen Jahren als freier Autor – Wissenschaftsredakteur für alle drei Deutschlandradio-Programme. Drei Programme mit unterschiedlichen Stärken, Zielgruppen und Formaten: von kurzen Wissensnachrichten, Gesprächen und Kommentaren bis hin zu aufwändigen Wissenschaftsfeatures, bei denen die Recherchen oft viele Monate dauern. Manchmal bin ich auch selbst zu hören, als Moderator. Oder wenn ich on air tagesaktuell in einem Gespräch erkläre, was es zum Beispiel mit einem neu zugelassenen Impfstoff auf sich hat. Dann muss ich die langfristige Feature-Planung erstmal zur Seite legen. Alles eine Frage der Zeit. Damit in der Wissenschaft Durchbrüche möglich sind, so wie zuletzt bei den mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19, ist oft lange Vorarbeit nötig. So ähnlich ist es auch bei uns Wissenschaftsjournalisten, die darüber berichten.