Peter SawickiInteressante Geschichten über die Grenzen hinaus

Portrait des Deutschlandradio-Korrespondenten für Polen, Ukraine und Belarus, Peter Sawicki
Peter Sawicki (privat)
STECKBRIEF
Name: Peter Sawicki
Position: Freier Deutschlandradio-Korrespondent für Polen, Ukraine und Belarus
Lieblingssendung:
Informationen am Morgen
Mo. – Fr., 5.05 Uhr, Sa., 6.10 Uhr
Andruck – das Magazin für politische Literatur
Mo., 19.15 Uhr
Nachspiel – das Sportmagazin
So., 17.30 Uhr
Der Sommer 2017 war ein Augenöffner. Eigentlich verbrachte ich damals nur meinen Urlaub in Polen, zunächst in meiner Heimatstadt Danzig, anschließend in Warschau. Dort geriet ich eher unverhofft in eine Kundgebung. Viele Tausend Menschen säumten den Zufahrtsweg zum Sejm, dem polnischen Parlament. Es war der Höhepunkt der Proteste gegen die umstrittene Justizreform der nationalkonservativen PiS-Regierung.
Ein neuer Blick auf Polen
Statt Gastronomie und Kultur erlebte ich in diesen Tagen also vor allem Politik und gesellschaftliche Grabenkämpfe aus nächster Nähe. Und das in meinem Geburtsland, das ich über Jahre als eher unpolitisch wahrgenommen hatte. Plötzlich hatte ich einen neuen Blick auf Polen. – Ich war gerade sieben Jahre alt geworden, als meine Mutter und ich aus Danzig nach Deutschland kamen. Der Kontakt zur Familie und der Heimatstadt blieb dennoch in allen Lebensphasen sehr eng. Entwicklungen und Stimmungen aber bloß aus der Ferne zu beobachten, ist für einen Journalisten nur bedingt zufriedenstellend. Spätestens seit dem Sommer 2017 reifte deshalb in mir der Wunsch, als Korrespondent nach Polen zu gehen. Nach Recherchereisen und einer Deutschlandradio-Sommervertretung in Polen ist es nun soweit.
Herausforderung und Chance
Im Alltag erleichtert mir der familiäre Bezug das soziale „Ankommen“. Als polnischer Muttersprachler kann ich mich damit außerdem beruflich zügig vernetzen. Obwohl Polen ein sehr zentralistisch ausgerichtetes Land ist, spielt sich nicht alles in Warschau ab. Interessante Geschichten finden sich quer durchs Land. Längst geht es nicht nur um die Frage, ob Polens Richter und Staatsanwältinnen noch unabhängig arbeiten können. Auch Polen ist dabei, seine Wirtschaft klimafreundlicher zu gestalten, soziale Bewegungen (etwa mit Blick auf Frauenrechte) erleben immer stärkeren Zulauf. Und durch den Ukraine-Krieg ist das Land zur Zuflucht für Hunderttausende Menschen aus dem Nachbarland geworden. Eine riesige Herausforderung für alle, aber auch eine Chance fürs Land und die Gesellschaft. Weil die Ukraine und Belarus – in Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Florian Kellermann, Russland-Korrespondent von Deutschlandradio – ebenfalls zu meinem Berichtsgebiet gehören, ist mein Bewegungsradius umso größer. Hinzu kommt bei Gelegenheit noch das Baltikum. Einige der Länder habe ich schon bereist, doch vieles bleibt dort noch zu entdecken. Das ist gut so, denn damit dürften mir noch einige Augenöffner bevorstehen.