
Junge Zielgruppen zu erreichen ist ein wichtiges Ziel, das sich der Deutschlandfunk gesetzt hat. Das bedeutet für die Alterssparte zwischen 15 und 25 Jahren vor allem eines: TikTok. Denn die Plattform hat sich für diese Gruppe zu einer der wichtigsten Informationsquellen entwickelt – und ist gleichzeitig geprägt von emotionalisierten Videos, geflutet von KI-Deepfakes und Schauplatz gezielter Desinformationskampagnen.
Diesem Dilemma hat sich das Social-Media-Team vom Deutschlandfunk journalistisch angenommen. Seit Januar 2026 sind sie mit dem TikTok-Account „Moment mal” aktiv. Ein Kanal, der viel diskutierte Videos direkt auf der Plattform auf ihren Wahrheitsgehalt checkt und Kontext liefert – und das ziemlich erfolgreich. Das zeigt sich nicht nur in den über 30.000 Followern, die „Moment mal“ bereits gesammelt hat, sondern insbesondere in dem positiven Feedback, das aus der Community kommt. Kommentare wie „Danke, dass ihr für Aufklärung sorgt“ und „Dieses Format ist so wichtig“ zeigen, dass der Bedarf nach einem solchen Account groß ist.
Die Recherche beginnt auf der Plattform
Für die „Moment mal”-Recherche hat das Team eine neue Arbeitsweise entwickelt. Mit einem algorithmisch trainierten Recherche-Account wird gezielt nach Videos mit hoher Reichweite gesucht, die Falsch- oder Desinformationen verbreiten. Die drei „Moment mal”-Hosts Susanne Jungblut, Mia Holland und Jennifer Repp greifen diese Videos auf und liefern, in TikTok-gerechter Sprache, Antworten auf die wichtigsten Fragen: Wie viel Wahrheit steckt darin? Welche Fakten fehlen oder werden bewusst weggelassen? Welche Strategien verfolgen die Macher solcher Videos? Häufig ist das eine Herausforderung, denn bei TikTok geht’s um Schnelligkeit und Inhalte sollten möglichst einfach erklärt werden. Eine komplexe Recherche in 60 Sekunden unterzubringen? Gar nicht so einfach. Hinzu kommt vor jedem Video die Abwägung: Ist die Falschinformation ohnehin schon viral oder laufen wir Gefahr, sie unnötig weiterzuverbreiten? Für einen verantwortungsvollen Umgang hat das Team eine Dramaturgie entwickelt, die den Strategien des Faktencheck-Journalismus folgt.
KI-Fakes schaffen neue Herausforderungen
Hinzu kommt, dass auf TikTok unzählige Deepfakes und KI-generierte Fake News zirkulieren. Für das „Moment mal”- Team bedeutet das neue journalistische Herausforderungen. Videos in ihre Bestandteile zu zerlegen, um sie als Deepfakes zu entlarven, Bilderrückwärtssuche – all das wird immer mehr zum täglichen Handwerk. Unterstützt wird das Team dabei von der Faktencheck Unit, die regelmäßig Briefings durchführen und im Tagesgeschäft unterstützen. Immer häufiger kommen Themenvorschläge von Userinnen und Usern selbst: Wenn ihnen auffällige Videos auf ihrer "For You"-Page begegnen, heißt es hoffentlich auch in Zukunft: @Moment mal, könnt ihr das mal checken?