
Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu mehr Einsatz für die Demokratie in Deutschland aufgerufen. In der neuen Talkreihe „Merkel unplugged“ sagte Merkel im Gespräch mit Schülern aus mehreren Bundesländern, es müsse besser erklärt werden, was Demokratie eigentlich sei. Als Beispiele nannte sie eine unabhängige Justiz, eine freie Presse, den Schutz von Minderheiten und den Wert von Kompromissen. Sie glaube immer noch, dass die Verteidiger der Demokratie stark genug seien, und rate niemandem auszuwandern. Man solle „Deutschland denen nicht überlassen“.
„Weniger über die AfD reden, eigene Angebote machen – Die Linke im Großen und Ganzen nicht gegen das Grundgesetz“
Merkel appellierte an ihre Partei, die CDU, und an die SPD, weniger über die AfD zu reden. Beide sollten stattdessen überlegen, was sie selbst anbieten könnten. Man müsse aufpassen, dass man die AfD nicht größer mache und vor lauter Schreck vergesse, eigene Positionen zu vermitteln. Konkret ging die ehemalige Kanzlerin auf die Lage in Sachsen-Anhalt nach der Wahl ein. Selbst wenn die AfD dort stärkste Partei geworden sei, komme eine Zusammenarbeit nicht in Frage. Das gelte, parlamentarische Gepflogenheiten hin oder her, auch für die Wahl des Landtagpräsidenten. Denn die AfD in Sachsen-Anhalt wolle unter anderem den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen, das Bauhaus nicht mehr finanzieren und christliche Werte durch germanische ersetzen.
Merkel zog nicht nur eine Grenze zu Rechtsextremen, sondern auch zu Linksextremen, die Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung ansehen. Es gebe aber generell einen Unterschied zwischen der AfD und der Linken. Im Großen und Ganzen richte sich Die Linke nämlich nicht gegen das Grundgesetz.
„Stadtbild“ – „Nicht meine Sprache“
Angesprochen auf Äußerungen von Bundeskanzler Merz zum Stadtbild und zu Zahnarztleistungen für Asylbewerbern meinte Merkel in „Merkel unplugged“, persönlich würde sie eine solche Sprache nicht verwenden. Es sei nie gut zu verallgemeinern. Legitim sei aber, spezifische Probleme anzusprechen, etwa Zustände an Bahnhöfen oder einzelne Missstände im Sozialsystem. Merkel gab zugleich zu bedenken, dass Merz das Land in keiner einfachen Zeit regiere. Angesichts der vielen internationalen Krisen und der in Deutschland nötigen Veränderungen könnten derzeit nicht viele schöne Sachen versprochen werden. Sie wünsche sich aber, dass der Ton ruhiger werde und dass mehr für das Gemeinschaftsgefühl getan werde. Nur so könnten die Menschen wieder Mut fassen.
Über die eigene Verantwortung für ausgebliebene Reformen
Auf die Frage, ob sie selbst einen Reformstau in Deutschland zu verantworten habe, verwies Merkel auf die Finanz- und Eurokrise, auf die Zeit der großen Flüchtlingsbewegung und auf die Corona-Pandemie. Es sei also nicht so gewesen, dass sie morgens aufgestanden sei, die Sonne habe geschienen und sie habe das Geld ausgegeben, ohne an die Zukunft zu denken. Richtig sei aber, dass auch in ihren sechzehn Jahren nicht alles gelungen sei. Als Stichworte nannte Merkel die Bereiche Verteidigung und Digitalisierung.
Offener Austausch in konzentrierter Atmosphäre: „Merkel unplugged“
Das Gespräch der ehemaligen Bundeskanzlerin fand am 14. Oktober 2026 im Berliner Funkhaus von Deutschlandfunk Kultur statt. Teilgenommen haben fünf Klassen unterschiedlicher Schulformen von Jahrgang neun bis zwölf: das Bertha-von-Suttner-Gymnasium Potsdam, die Friedensschule Lingen (Ems), das Pückler-Gymnasium Cottbus, die Rudolf-Steiner-Schule Bergedorf und die Schule am Neuen Teich Lübz.
Für die neue vierteilige Reihe „Merkel unplugged“ von Deutschlandfunk Kultur trifft Angela Merkel Schulklassen aus ganz Deutschland im Berliner Funkhaus. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, Perspektiven und Anliegen junger Menschen. Die Gespräche bieten Raum für einen offenen Austausch jenseits der Zuspitzungen des politischen Tagesgeschäfts. Anschließend sind sie in der Deutschlandfunk App und im Programm von Deutschlandfunk Kultur zu hören. Mehr Infos hier.
„Merkel unplugged“
Ab heute, 17.00 Uhr in der Deutschlandfunk-App und auf ARD Sounds
Am 16. Oktober um 12.05 Uhr im Programm von Deutschlandfunk Kultur
Ab 16. Oktober auch als Video auf youtube.com/@deutschlandfunk
Ab heute, 17.00 Uhr in der Deutschlandfunk-App und auf ARD Sounds
Am 16. Oktober um 12.05 Uhr im Programm von Deutschlandfunk Kultur
Ab 16. Oktober auch als Video auf youtube.com/@deutschlandfunk
Die weiteren Termine der Gesprächsreihe „Merkel unplugged“:
Mittwoch, 9. Dezember 2026 / Mittwoch, 17. Februar 2027 / Mittwoch, 14. April 2027
Veröffentlichung am selben Tag um 17.00 Uhr in der Deutschlandfunk App und bei ARD Sounds
Mittwoch, 9. Dezember 2026 / Mittwoch, 17. Februar 2027 / Mittwoch, 14. April 2027
Veröffentlichung am selben Tag um 17.00 Uhr in der Deutschlandfunk App und bei ARD Sounds